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Am Mittag hat sich erneut ein heftiges Erdbeben in Norditalien ereignet

Wirtschaft

Porsche-Aktie bricht ein

VW: Einstieg des Sportwagenbauers kommt an der Börse nicht gut an. Kurssprung bei Volkswagen wird geprüft. IG Metall: Geländewagen soll in Wolfsburg entstehen.

Stuttgart/Hannover. Es dauerte nur wenige Minuten, dann war an der Börse das Urteil über die überraschenden Pläne von Porsche zum Einstieg bei VW gesprochen. Die Aktie der Stuttgarter Sportwagenschmiede brach gestern in der Spitze um mehr als elf Prozent ein und schloß am Nachmittag mit minus 10,4 Prozent. Führende Bankhäuser stuften ihre Anlageempfehlungen herab. Drastisch formulierte es der Nürnberger Hochschullehrer und Börsenexperte Wolfgang Gerke: "Unter dem Strich ist das eine Vernichtung von Kapital der Porsche-Aktionäre. Im Interesse von Privatanlegern ist dies auf keinen Fall." Die Dominanz von zwei Großaktionären wie dem Land Niedersachsen und Porsche mit je etwa 20 Prozent mache die VW-Aktie für andere Anleger uninteressant. "Aus der Aktie ist praktisch die Phantasie raus."

Kritisiert wurde gestern vor allem, daß Porsche-Chef Wendelin Wiedeking für den Drei-Milliarden-Euro-Deal fast alle Rücklagen aufbrauchen werde. Für die Aktionäre sei damit mittelfristig der Traum einer Sonderdividende oder eines Aktienrückkaufprogramms ausgeträumt. Er frage sich, ob Produktpartnerschaften mit VW den Einsatz von drei Milliarden Euro rechtfertigten, so Christian Breitsprecher, Autoanalyst bei der Deutschen Bank.

Marktexperten kommen dagegen zu einem anderen Urteil. VW könne mit dem Einstieg Porsches in Ruhe die Sanierung fortsetzen und sei für Finanzinvestoren keine attraktive Beute mehr. "Der Einbruch des Aktienkurses ist nur eine kurzfristige Reaktion, weil die Vorzugsaktionäre fürchten, daß Porsches Umsatzrendite verwässert werden könnte", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer dem Abendblatt.

Schon bei der Entwicklung des Geländewagens Cayenne habe Porsche durch die Zusammenarbeit mit VW zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro gespart. Künftig könne Porsche etwa für die geplante vierte Baureihe auf das VW-Karosseriewerk in Mosel zurückgreifen. "Es gibt genug Möglichkeiten für Synergien", so der Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen. "VW wird zudem in drei bis vier Jahren eine Umsatzrendite von vier Prozent erzielen und die Kapazitäten angepaßt haben."

Zunächst jedoch geht es darum, über den Produktionsstandort des Golf-Geländewagens Marrakesch zu entscheiden. Gestern am späten Nachmittag begann die entscheidende Verhandlungsrunde in Wolfsburg. Die Gespräche dauerten bei Redaktionsschluß noch an. VW erwartete eine Entscheidung nicht vor heute morgen.

Die Chancen, daß das Auto in Wolfsburg montiert wird, stehen nicht schlecht. "Eine Verhandlungslösung ist möglich. Die IG Metall ist zu einem fairen Kompromiß bereit, wenn sowohl ein Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze bei VW als auch Lösungen im Interesse der Beschäftigten erreicht werden", so IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine vor Verhandlungsbeginn.

Volkswagen hatte der Arbeitnehmervertretung bis gestern Zeit gegeben, um mit Lohnzugeständnissen den Marrakesch im Stammwerk zu halten. Ansonsten soll das Modell von 2007 an in Portugal vom Band laufen, wo um 1000 Euro billiger gefertigt wird. "Die Löhne für die 1000 Mitarbeiter, die den Wagen bauen, müssen um 20 Prozent unter dem Haustarif, also auf dem Niveau des IG-Metall-Flächentarifs liegen", sagte Dudenhöffer. Ein solcher Kompromiß sei "machbar". Derzeit aber fielen im Werk Wolfsburg die höchsten Löhne im Konzern mit unterdurchschnittlicher Qualität zusammen.

Der "notwendige Reformkurs" bei VW werde nun mit dem Einstieg von Porsche gestützt, glaubt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Für Wulff ist Porsche der Autobauer in Deutschland, der am stärksten auf Produktion im Land Wert lege und den Betriebsrat in den unternehmerischen Erfolg miteinbeziehe. "Deshalb paßt die Kultur von Porsche gut zur VW-Kultur."

Niedersachsen will "keine einzige Aktie" der derzeit gehaltenen 18,2 Prozent verkaufen, versicherte Wulff. Damit ist klar, daß Porsche aus dem Streubesitz (53 Prozent), den 13 Prozent von VW und 15,8 Prozent aus dem Besitz von zwei Kapitalgesellschaften zukaufen muß. "Im Moment schauen wir mal, da ist ja vieles möglich", hieß es gestern vom Sportwagenbauer. Das Unternehmen habe seit dem Aufsichtsratsbeschluß vom 19. September VW-Aktien gekauft und damals bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Aufschiebung der Veröffentlichung beantragt, um nicht die "eigene Position zu schwächen", also mehr zahlen zu müssen, sagte ein Porsche-Sprecher dem Abendblatt. Bisher habe man weniger als fünf Prozent der VW-Anteile erworben.

Für diese Aktivitäten hat die BaFin nun eine Vorprüfung eingeleitet. Dabei geht es darum, ob Insider von dem starken Kursanstieg der VW-Aktie profitieren konnten. Dies geschehe "routinemäßig", sagte eine BaFin-Sprecherin dem Abendblatt. Zudem werde untersucht, ob Porsche am Sonntag möglicherweise zu spät über den Übernahmeplan berichtet habe. Hintergrund: Der "Spiegel" berichtete bereits am Sonnabend vorab über den Coup.

Werden Ad-hoc-Pflichten verletzt, drohen Bußgelder bis zu einer Million Euro, bei Insiderhandel Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Doch ob es zu einer formellen Untersuchung kommt, ist derzeit offen.

 

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