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Wirtschaft

Hohe Stromkosten - Streit um Leipziger Börse

49,55 EURO pro Megawattstunde. Der Preis steigt immer weiter. Wie er zustande kommt, wer die Händler sind.

Leipzig/Hamburg. Leipzig am Neumarkt in bester Innenstadtlage: Dort in den Büroräumen der Strombörse sitzen sie - 34 Mitarbeiter, die Kauf- und Verkaufsaufträge von Stromhändlern in ihre Computer tippen. Es geht ruhig zu. Alles läuft elektronisch. Aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage bildet sich der Preis. Er ändert sich ständig - aber fast nur nach oben. Knapp 50 Euro kostet nun die Megawattstunde. Vor Jahresfrist war es fast noch die Hälfte.

Die Preisexplosion ist Grund dafür, daß den Hamburger Aluminium-Werken das Aus droht. Und er ist Anlaß für einen der erbittersten Streits, der derzeit in Hamburg geführt wird. Auf der einen Seite die HEW, auf der anderen die Norddeutsche Affinerie (NA). NA-Chef Werner Marnette wirft den vier großen deutschen Stromproduzenten vor, daß sie die Preise an der Strombörse "selbst machen" und weit nach oben treiben. Dietrich Graf, Vorstand der HEW, verweist darauf, daß die Börse ständig geprüft werde und sich bislang noch kein Verdacht auf Kursmanipulation ergeben hätte.

Tatsächlich steht der Handelsplatz unter Beobachtung. Beamte des sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit überwachen, daß an der Börse alles mit rechten Dingen zugeht. Und die Stromhändler werden vom Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen kontrolliert. Bislang wurde noch nicht wegen Kursmanipulationen ermittelt.

127 Händler sind derzeit an der Strombörse zugelassen. Neben Tochterfirmen der vier großen deutschen Stromerzeuger sind auch ausländische Konzerne aktiv und Broker, die einen Stromliefervertrag nur kaufen, um ihn dann wieder mit Gewinn zu verkaufen. Gehandelt werden Kontrakte zur sofortigen Lieferung und Stromlieferverträge, die zu einem späteren Termin wirksam werden.

"Strom im Gesamtwert von 13,5 Milliarden Euro wurde im vergangenen Jahr an der Börse gehandelt. Das ist mehr als der gesamte deutsche Verbrauch von 10,6 Milliarden Euro", widerspricht Mario Groß, Sprecher der Börse, den Vorwürfen, der Leipziger Handelsplatz sei zu klein, um als Referenz für den Strompreis zu gelten. Zwar muß nicht jedes Kilowatt Strom, das in Deutschland verbraucht wird, an der Leipziger Börse gehandelt werden. Stadtwerke und andere Großverbraucher schließen oft auch direkte Verträge mit Stromerzeugern ab.

Aber zu einem Preis, der sich nach dem der Börse richtet. "Sonst könnte jemand günstig Strom erwerben und den an der Börse mit Gewinn weiterverkaufen", sagt Groß.

Marnette fordert mehr Transparenz an der Börse. "Es müßte sofort per Adhoc-Mitteilung bekanntgegeben werden, wenn ein Kraftwerk kurzfristig ausfällt oder wenn es Probleme mit Netzkapazitäten gibt", sagt er. "Nur so haben alle Teilnehmer an der Börse den gleichen Wissensstand. Dann gibt es keinen Wettbewerbsvorteil."

Als positiven Effekt der hohen Strompreise wertet Heiko von Tschischwitz, Chef vom Hamburger Ökostromhändler Lichtblick, daß so ein größerer Anreiz für Investoren geschaffen wird, neue Kraftwerke in Deutschland zu bauen. "Zudem gewinnen durch hohe Preise regenerative Energien an Wettbewerbsfähigkeit."

 

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