. . . Vanessa Kullmann und ihre Coffeeshop-Kette
Hamburg. Vanessa Kullmanns erste Ausbildung zur Kaffeespezialistin war eher bescheiden. "Ich habe in den USA ein dreitägiges Seminar besucht. Das Espresso-Training dauerte genau zwei Minuten", erzählt die Chefin der Hamburger Coffeeshop-Kette Balzac. "Darüber hinaus bestand meine Beziehung zu Kaffee vor allem darin, daß ich ihn gern trank."
Trotz dieser nicht gerade optimalen Voraussetzungen ließ sich die heute 33jährige vor sieben Jahren nicht davon abhalten, ihre erste Kaffeebar in den Colonnaden zu eröffnen. Heute ist Balzac Coffee ein Unternehmen mit rund 350 Mitarbeitern, 24 Filialen und einem Jahresumsatz von 8,9 Millionen Euro (2004). Allein in diesem Jahr will die Chefin zehn weitere Coffeeshops in Deutschland eröffnen. In den Städten Hamburg, Berlin, Hannover und Lübeck ist sie heute bereits vertreten.
"Der Markt ist noch lange nicht ausgereizt", sagt Kullmann, während sie in ihrem schlichten, weiß und schwarz gehaltenen Büro in der Hamburger City sitzt. Die Strenge steht in einem starken Kontrast zu den Coffeeshops mit ihren warmen Farben und den plüschigen Sesseln, den Erkennungszeichen der Kette.
Nicht ganz von ungefähr ist das Innere an den großen Konkurrenten Starbucks angelehnt. Schließlich kam Vanessa Kullmann die Idee für ihren ersten Coffeeshop, als sie in New York für eine Eventmarketing-Agentur arbeitete und in den Pausen immer zum Kaffeeholen in eine Filiale der US-Kette geschickt wurde.
Zurück in Deutschland setzte sie ihre Idee schnell in die Tat um. "Meine Schwester stieg als Teilhaberin ein, eine Freundin zeichnete das Logo und beim Businessplan ließ ich mir von einem Experten der Deutschen Ausgleichsbank helfen", sagt Kullmann. Auf den Namen der Kette kam ein Freund, der der Jungunternehmerin vom Schriftsteller Honore de Balzac erzählte, für den Kaffee während seiner Arbeit unverzichtbar war.
Die ersten zwei Geschäfte liefen gut, doch als Vanessa Kullmann expandieren wollte, merkte sie, daß sie die Struktur ihres Unternehmens komplett umkrempeln mußte. "Manche Mitarbeiter in den Shops kannte ich plötzlich nicht mehr persönlich und die Organisation im Büro ließ sich auch nicht mehr im Vorbeigehen erledigen." Daher entschloß sich die Chefin, noch einmal die Schulbank zu drücken. Für zwei Jahre ging sie in die USA, um dort ein Studium der Systemgastronomie zu absolvieren. "Die Zeit war extrem hart, weil ich trotz des Studiums weiter meine Firma geleitet habe", erinnert sich Kullmann. Die Mitarbeiter in Hamburg bekamen regelmäßig Anrufe und E-Mails von der Chefin. "Es war ein wenig chaotisch, aber im nachhinein hat es sich gelohnt." Mittlerweile ist Balzac Coffee auch organisatorisch für weitere Expansionsphasen gerüstet.
Wenn Vanessa Kullmann heute den Flieger nach New York besteigt, dann vor allem zu ihrem Vergnügen. "New York ist einfach eine unglaublich aufregende Stadt."



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