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Wirtschaft

Body-Shop geht von Haus zu Haus

Kosmetikfirma mit neuem Konzept. Gründerin Roddick zu Gast in Hamburg.

Hamburg. Die besten Ideen findet man in der Body-Shop-Zentrale im englischen Städtchen Littlehampton auf der Toilette. Denn in jedem Abteil hängt ein Kugelschreiber und ein Schreibblock sowie die Aufforderung an die Mitarbeiter, ihre Einfälle fürs Unternehmen zu hinterlassen. Firmengründerin Anita Roddick setzt auf Kommunikation. "Wir wollen auf die Basis hören", sagt sie. "Was mich interessiert, ist der Mensch und nicht der Profit." Tatsächlich geht es Anita Roddick selten um Zahlen, als vielmehr um soziales Engagement. So auch gestern. In Hamburg überreichte die Britin eine 40 000-Euro-Spende an die Organisation "Terre des Femmes".

Der Schutz von Menschenrechten, fairer Handel und Umweltschutz, das sind die Themen, für die sich Roddick interessiert. Daß sich verantwortungsbewußtes Handeln und Geschäftserfolg gut verbinden lassen, beweisen die Zahlen. Weltweit zählt die Naturkosmetik-Kette 2045 Läden in 52 Ländern, 87 Läden gibt es in Deutschland, in Hamburg sind es sechs. Im vergangenen Jahr stieg der Einzelhandelsumsatz insgesamt um fünf Prozent auf knapp 1,03 Milliarden Euro, der Umsatz von "The Body Shop At Home" um 31 Prozent auf 68,1 Millionen. Der operative Gewinn legte um 19 Prozent auf 52,6 Millionen Euro zu, der Gewinn pro Aktie um 22 Prozent. Und auch die Aussichten sind gut. "Wir planen die Erschließung neuer Märkte sowie den Ausbau der Vertriebskanäle ,The Body Shop At Home'", sagte Elisabeth Weyermann, Sprecherin der Deutschlandzentrale dem Abendblatt.

So will Body Shop künftig den Tupper-Parties in deutschen Wohnzimmern Konkurrenz machen und im kommenden Jahr den Vertriebsarm "The Body Shop at Home" auch hierzulande starten. In Großbritannien funktioniert das Konzept bereits. Dort gibt es den Direktverkauf der Körperpflegeprodukte per Party seit zehn Jahren. Mehr als 100 000 "Body Partys" werden jährlich veranstaltet. Neben der Einführung des Direktvertriebes will Body Shop Deutschland in den kommenden zwei Jahren in Österreich die Anzahl seiner Geschäfte verdoppeln. Auch Ulf Kalkmann vom Hamburger Einzelhandelsverband lobt Body Shop: "Das Unternehmen hat mit Naturkosmetik seine Nische in einem hart umkämpften Markt gefunden."

Gründerin Roddick, die 1976 in Brighton mit einem grün getünchten Laden und 25 eigens angerührten Pflegeprodukten auf natürlicher Basis begann, ist heute eine der reichsten Frauen Englands und Botschafterin der britischen Wirtschaft. Ihren Erfolg nutzt die 62jährige, um persönliche Überzeugungen durchzusetzen. "Ein Unternehmen darf nicht vergessen, daß es der Gesellschaft auch moralisch etwas schuldig ist", sagt sie. Statt anzuprangern, sucht Roddick Lösungswege. So zählt das Unternehmen heute über 40 Hilfe-durch-Handel-Projekte in 26 Ländern, bei denen Body Shop den Produzenten in der Dritten Welt "faire" Preise garantiert. Zudem setzt sich der Konzern aktiv für ein Verbot von Tierversuchen in der Kosmetikindustrie ein und startete Anfang März 2004 die Kampagne "Stoppt häusliche Gewalt".

Die Mitarbeiter in der englischen Zentrale machen mit. Auch wenn sie nicht immer verstehen, warum. So schrieb einer beim Gang aufs stille Örtchen, das ja offiziell Kommunikationszentrale ist: "Ihr könnt meinetwegen noch so politisch sein, solltet aber nicht vergessen, daß diese Firma in erster Linie ein Shampoohersteller ist. Politik sollte draußen im Freien gemacht werden." Roddick hat die Botschaft gelesen und eine Ausnahme gemacht: Sie hat einfach nicht auf die Basis gehört.

 

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