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Wirtschaft

Die Fünf-Milliarden-Euro-Frau

Erfolgreich: Die Ahrensburgerin Sonja Schemmann führt einen der größten Aktienfonds Deutschlands - mit 31 Jahren.

Hamburg. Sonja Schemmann lacht. Sie lacht viel während des einstündigen Gespräches. Nur wenn es um ihr Produkt, um ihre Fonds geht, wird sie ernst. Dann spricht sie mit nüchternem Tonfall über Anlagemärkte, Währungsrisiken und Renditeerwartungen. Ihr Mund öffnet sich dann kaum beim Sprechen. Von einer Sekunde zur nächsten strahlt sie die Verbindlichkeit und Kompetenz einer Geschäftsfrau aus, für die der Umgang mit Millionenbeträgen zum Alltag gehört.

Dabei ist die in Hamburg-Volksdorf geborene und in Ahrensburg aufgewachsene Fondsmanagerin gerade 31 Jahre alt. Doch die 1,80 Meter große, sportliche Frau führt den zweitgrößten Aktienfonds bei der größten Fondsgesellschaft Europas, der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Anleger vertrauen ihrem vor zwei Jahren aufgelegten Fonds Top Dividende und dem jüngeren European Dividend Plus hohe Geldbeträge an. Fast fünf Milliarden Euro verantwortet sie heute zusammen - Tendenz steigend. "Die Summe ist aber großzügig aufgerundet", sagt Sonja Schemmann und ihr Erfolg scheint ihr beinahe unangenehm zu sein.

2004 holte die leidenschaftliche Reiterin mit dem Fonds Top Dividende knapp 21 Prozent Wertzuwachs für ihre Anleger raus - trotz eines dahindümpelnden Aktienmarktes. Dabei hatte sie bis zum Berufseinstieg nie selbst Aktien besessen. "Bei dem Fonds hat alles gestimmt: Strategie, Timing und Performance", sagt sie, als wolle sie ihren Anteil an einer Erfolgsstory erneut relativieren. Doch jeder Fonds bei der DWS hat nur einen Manager, der alle Entscheidungen trifft, wie sie sagt: "Erfolg und Mißerfolg hängen immer nur an einer Person." Und Sonja Schemmann war von der ersten Minute an die Chefin.

Schwarzer Anzug, gestreifte Bluse, Perlenkette, Ohrenringe und ein selbstentworfener Bernsteinring von der Mutter - kein aufwendiges Make-up. So sitzt sie bequem in einem der Ledersessel in der Deutschen-Bank-Zentrale in Hamburg. Sie ist nur zu Besuch, muß später im Hyatt-Hotel einen Vortrag vor Bankern halten. "Privat komme ich kaum noch in meine Heimat, obwohl Hamburg eine schöne Stadt ist", sagt Sonja Schemmann, die mit ihrem Freund - ebenfalls ein Banker - in Frankfurt lebt.

"Am liebsten mag ich zur Weihnachtszeit den Blick von der Lombardsbrücke über die Binnenalster auf die Innenstadt", sagt sie. Im Schatten von Hamburger Rathaus und Börse begann 1993 auch ihre Karriere bei der Deutschen Bank. Die Haspa hatte ihr ebenfalls eine Lehrstelle angeboten. "Ich wollte aber unbedingt zur Deutschen Bank", erinnert sich die Managerin, die ursprünglich sogar mal die Schule abbrechen wollte, um Berufsreiterin zu werden. Ihre Eltern waren dagegen. So machte sie Abitur mit den Leistungskursen Englisch und Kunst und lernte Bankkauffrau in der Volksdorfer Filiale der Deutschen Bank. Dabei durfte sie auch einige Wochen in der Hamburger Zentrale der Bank am Adolphsplatz verbringen. Im ersten Stock sinkt man tief in den hellen Teppich ein. Im Flur hängt der Rauch einer teuren Zigarre in der Luft - hier in dieser Etage werden die vermögenden Kunden der Bank empfangen.

Vor mehr als elf Jahren ging Sonja Schemmann als Azubi zuletzt durch diese Flure. "Mit viel Ehrfurcht damals, es waren Botengänge", sagt sie. Heute sind Chefetagen ihr Alltag.

Auch an den ersten Kontakt zur Fondsgesellschaft DWS 1999 erinnert sie sich noch gut - ein Praktikum während des Wirtschaftsstudiums, das sie in Köln begann und nach Stationen in Oxford, Paris und Berlin mit einer Diplomarbeit über Aktienbewertung zu Ende führte. Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der DWS und verantwortlich für den größten Aktienfonds der Gesellschaft, den Vermögensbildungsfonds I, holte sie damals persönlich am Empfang ab. "Er fragte im Fahrstuhl nur, ob ich Asien mag", sagt sie. Heute steht sie in der DWS an zweiter Stelle hinter Kaldemorgen, wenn es um das Volumen der Aktienfonds geht.

Fast täglich hält sie jetzt irgendwo in Deutschland oder Europa Vorträge über ihre Anlagestrategie. Immer öfter schieben sich auch Interviewtermine mit Zeitungen und Fernsehsendern dazwischen. Ihre Meinung ist gefragt. Wie hält sie diesen Erfolgsdruck und die Verantwortung für soviel Geld aus? "Ich kann damit sehr gut umgehen, weil ich von dem Fondskonzept so überzeugt bin", antwortet sie. Und lächelt.

 

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