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Wirtschaft

Gas nun doch nicht teurer

E.on Hanse verzichtet auf Preiserhöhung. Verbraucherverband: "Phantastischer Erfolg der Proteste."

Hamburg. Der norddeutsche Energieversorger E.on Hanse verzichtet auf eine weitere Gaspreiserhöhung zum 1. April. Überraschend teilte der Konzern gestern mit, daß die Gaspreise vorerst stabil bleiben - auch in Hamburg. "Zwar müßten wir eigentlich angesichts der gestiegenen Bezugspreise die Preise erhöhen, doch wir verzichten darauf", sagte E.on-Hanse-Sprecherin Esther Seemann dem Abendblatt. Das Unternehmen wolle damit ein "Signal" an seine Kunden geben: "Wir haben die Verbraucherinteressen im Auge."

Der Bund der Energieverbraucher bezeichnete den Schritt als "phantastischen Erfolg der Verbraucherproteste". Die Konzerne haben offenbar gelernt, daß sie den Volkszorn nicht überstrapazieren dürfen", sagte der Vorsitzende Aribert Peters.

In Deutschland haben bisher geschätzt 100 000 Bürger - davon mehr als 5000 bei E.on Hanse - gegen die jüngsten Preiserhöhungen Einspruch eingelegt und ihre Rechnungen gekürzt. Allein E.on Hanse hatte in den vergangenen sechs Monaten zweimal die Preise angehoben - im Oktober um zehn und im Februar um 2,4 Prozent.

Die Hamburger Verbraucher-Zentrale will noch Ende März gegen die Preiserhöhungen vor Gericht ziehen. Mit einer Sammelklage für 100 Kunden soll juristisch geklärt werden, ob die Gaspreise in dem Monopolmarkt überhaupt angemessen sind.

Preiserhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt wollte das Unternehmen gestern jedoch nicht ausschließen. "Es gibt keine Preisgarantie", sagte Esther Seemann. Vorerst würden die höheren Bezugspreise für Gas, die infolge der hohen Ölpreise gestiegen seien, nicht weitergegeben, sondern "über einen längeren Zeitraum gestreckt". Wann die nächste Preiserhöhung kommt, wollte die E.on-Sprecherin nicht sagen.

Die EU-Kommission hat Deutschland sowie neun weitere EU-Staaten zu einer schnellen Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes aufgefordert, um die Energiepreise durch mehr Wettbewerb dauerhaft zu senken. Die Brüsseler Behörde stellte der Bundesregierung ein Ultimatum, in den nächsten zwei Monaten die nötigen Gesetze dafür zu verabschieden. "Andernfalls gehen wir vor Gericht", so EU-Energiekommissar Andries Piebalgs. Nach einer EU-Richtlinie sollen Industriekunden seit dem 1. Juli 2004 und Privatkunden spätestens zum 1. Juli 2007 ihre Energielieferanten frei wählen können.

 

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