Hamburg. Die Tage des Ufa-Palasts am Gänsemarkt scheinen gezählt. Die US-amerikanische Carlyle-Gruppe hat jetzt das neungeschossige Gebäude erworben, in dem sich das Kino befindet. Man plane, das Haus zu renovieren und moderne Verkaufs- und Büroflächen zu schaffen, teilte die international tätige Gruppe gestern mit.

"Wir sind überzeugt, hier ein sehr attraktives Objekt zu entwickeln", sagte der Managing Director der Carlyle Group, Wulf Meinel. Das Gebäude im Zentrum von Hamburg biete mit seiner guten Anbindung an Busse und U-Bahn und der direkten Lage am Gänsemarkt "viele Möglichkeiten". Für das Kino mit mehr als 3000 Sitzplätzen soll es laut Carlyle-Sprecherin Phoebe Kebbel zwar eine Bestandsgarantie für zwei Jahre geben, doch darüber hinaus will sich das Unternehmen nicht auf den Erhalt des Ufa-Palasts festlegen. Er wird derzeit von der insolventen Ufa Theater AG betrieben, die das Haus auch verkauft hat. Vom Insolvenzverwalter der Ufa, der Düsseldorfer Kanzlei Metzeler-van Betteray, war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Das Kino stand in den vergangenen Jahren bereits mehrfach auf der Kippe. Ende der neunziger Jahre geriet die gesamte Ufa-Kette wegen einer übermäßigen Expansion in die Krise. Der Hamburger Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe kaufte die Kinos. Doch er wurde mit der Ufa nicht glücklich, konnte sie nicht sinnvoll in seinen eigenen Konzern integrieren. Flebbe stieß die Ufa Ende der 90er Jahre weitgehend wieder ab, die daraufhin versuchte, sich selbst gesundzuschrumpfen. Trotz drastischer Sanierungsbemühungen war die Ufa Theater GmbH 2002 dennoch so gut wie pleite und mußte Insolvenzantrag stellen.

Als Retter tauchte nun die Lübecker Kette Kieft & Kieft auf, die die Kinos übernahm. Doch auch die Geschwister Heiner und Marlis Kieft kamen mit der Ufa nicht zurecht. Sie hatten sich mit dem Kauf übernommen und wurden ihrerseits von einem australischen Unterhaltungsriesen geschluckt. Einen Teil der Ufa-Kinos betrieben die Australier weiter, nicht aber den Ufa-Palast am Gänsemarkt. Sie konnten sich nicht mit dem damaligen Besitzer des Gebäudes, der Ufa Theater AG - eine reine Immobiliengesellschaft - über die Miethöhe einigen. Ende 2004 gaben sie den Betrieb auf, den nun die Ufa Theater AG übernahm.

Die Carlyle Group, die weltweit ein Kapital von 24 Milliarden Dollar verwaltet, ist bislang nicht als Besitzer von Kino-Immobilien in Erscheinung getreten. Der Immobilienfonds der Gruppe hat in Deutschland noch ein Büro- und Lagergebäude in der Nähe von Hamburg gekauft, sowie ein Bürogebäude in Düsseldorf.bob