Anlegen mit gutem Gewissen
Investment: Wer sein Geld nach ethischen Gesichtspunkten arbeiten lassen will, kommt an nachhaltigen Fonds kaum vorbei. Doch die Auswahl ist groß.
Hamburg. In den USA sind mit rund zwei Billionen Dollar bereits zehn Prozent des gesamten Anlagevermögens in nachhaltige Anlageprodukte investiert. Davon ist Deutschland zwar noch weit entfernt - hierzulande sind es mit rund 3,5 Milliarden Euro gerade einmal 0,5 bis ein Prozent des Gesamtvolumens -, doch Experten attestieren dem Markt ein stetiges Wachstum. "Das Interesse der Anleger an dem Thema steigt ständig", sagt Edda Castello, Finanzexpertin der Verbraucher-Zentrale Hamburg.
So hat sich die Zahl der in Deutschland verfügbaren ethischen und ökologischen Publikumsfonds seit 1999 verfünffacht, was nicht gerade zu mehr Übersichtlichkeit für die Anleger gesorgt hat. Rund 80 verschiedene Angebote gibt es aktuell - darunter reine Aktienfonds (die meisten), Misch- und sogar Rentenfonds. Auch viele große Gesellschaften wie DWS, ABN Amro, CS, Fleming oder Invesco sind bereits mit Angeboten vertreten.
Fonds beste Anlageart Für die Verbraucherschützer gelten vier zentrale Kriterien, wenn es um die Auswahl einer Geldanlage geht: Sicherheit, Flexibilität (Verfügbarkeit der Summe), Rendite und die ethische Verwendung des angelegten Geldes. "Wer das vierte Kriterium sehr wichtig findet, hat eigentlich nur nachhaltige Fonds als Anlagealternative, da man bei einem Banksparplan oder Bundesschätzen nicht sicher sein kann, was die Bank oder der Staat mit dem Geld macht", so Castello. "Das Problem ist, daß es noch keine festen Regeln gibt, wer sich nachhaltig nennen darf", sagt sie. Neben den persönlichen Ansprüchen an eine ethische Geldanlage können sich Anleger bei Fonds zwischen zwei Methoden entscheiden: Einige schließen bestimmte Branchen und Geschäfte wie Atomkraft, Waffen, Alkohol, Tabak oder Glücksspiel völlig aus (Negativ- oder Ausschlußmethode). Andere wiederum suchen sich in jeder Branche die Unternehmen aus, die am nachhaltigsten und sozialsten agieren (Best-in-Class-Methode). Hier soll der Druck auf andere Firmenchefs derselben Branche erhöht werden, sich auch nach ethisch-ökologischen Kriterien zu verhalten.
Waffenschmiede im Portfolio Daß die Fonds ihre eigenen Anlagekriterien manchmal nicht einhalten, hat zuletzt eine Untersuchung der Stiftung Warentest ("Finanztest", Oktober-Heft) gezeigt: Drei Fonds (Activest Lux EcoTech, Metzler Sustainable Vision Equity und DAB Advisor I Meridio GreenBalance) hatten Firmen im Portfolio, die Teile ihres Umsatzes mit Waffen, Atomkraft oder Glücksspiel machen. Die Fonds kündigten zwar umgehend den Verkauf der Aktien an, doch eines zeigen diese Fälle: Wer es ernst meint mit der Nachhaltigkeit des Investments, muß sich genau über den Fonds durch Verkaufsprospekte, Rechenschaftsberichte oder Fondsporträts (kostenlos auf Internet-Seiten vieler Banken und Broker) informieren.
Keine Nachteile bei Renditen Finanztest hat die Nachhaltigkeitsfonds mittlerweile in seinen Fondsdauertest aufgenommen, der Überblick über Risiko, Anlageschwerpunkte und Wertentwicklung gibt. Gut zu erkennen ist dort ebenso wie bei Fondsporträts im Internet, daß das alte Vorurteil, man müsse für ein gutes Gewissen auf Rendite verzichten, falsch ist. So kommt der weltweit anlegende Aktienfonds Ökovision binnen Jahresfrist auf ein Plus von 15 Prozent - das Doppelte vom DAX und das Dreifache vom Vergleichsindex MSCI World. Lediglich vor reinen Branchenfonds, die nur in Solar- oder Windkraftunternehmen investieren, warnen Experten wegen der zu geringen Risikostreuung. Ein breites Informationsangebot über nachhaltige Investments bietet das Institut für Ökologie und Unternehmensführung der renommierten European Business School (www.nachhaltiges-investment.org).




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