Wem gehört die Haspa?
Die Hamburger Sparkasse ist ein Unikum. Sie hat keinen Eigentümer. Nur für sie gilt noch altes Hamburgisches Recht.
Hamburg. Die Runde ist bunt gemischt: Ein Reeder, eine AOK-Chefin, ein Universitätspräsident, eine ehemalige Finanzsenatorin, ein Tischlermeister - sie und 63 weitere "Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik" Hamburgs bestimmen die Geschicke der Haspa. Denn sie bilden das Kuratorium, das höchste Gremium der Sparkasse. Wenn diese 68 Menschen sich zwei- bis dreimal im Jahr entweder im Atlantic Hotel oder im obersten Stockwerk des Bankgebäudes am Holstenwall treffen, dann haben sie das Recht, die Satzung der Haspa zu ändern. Sie könnten sogar beschließen, die altehrwürdige Hamburger Institution aufzulösen. Irgendwann in den kommenden zwölf Monaten werden sie eine neue Ära für die Haspa einläuten: Der gesamte Geschäftsbetrieb der Sparkasse wird in eine noch zu gründende Aktiengesellschaft eingebracht. Die heutige Haspa - dann die Muttergesellschaft und alleinige Aktionärin der AG - aber wird bleiben, was sie seit ihrer Gründung vor 175 Jahren war: eine "juristische Person alten Hamburgischen Rechts". Außer der Haspa hat inzwischen keine einzige Gesellschaft mehr diese Rechtsform. Experten dafür sind selten geworden. "Man muss schon ältere Hamburger Juristen ansprechen, um genaue Auskünfte darüber zu erhalten", sagt Dieter Salzwedel, bei der Haspa zuständig für die Betreuung der Gremien. Aus heutiger Sicht ist die Rechtsform für ein Unternehmen eine Kuriosität. Denn als "juristische Person alten Hamburgischen Rechts" hat die größte deutsche Sparkasse überhaupt keinen Eigentümer, weder einen öffentlichen noch einen privaten. Anders gesagt: Sie gehört sich praktisch selbst. Gern merkt der Haspa-Vorstandssprecher Karl-Joachim Dreyer dazu an, dass ihm auf Grund dieser Konstruktion niemand ins Tagesgeschäft hineinredet. Doch das Rechtsform-Unikum hat noch einen weiteren Vorteil für die Haspa: Sie muss - abgesehen von Steuern - keine Gewinne abführen, etwa in Form von Dividenden an Eigner. Darum konnte sich die Sparkasse im Laufe der Jahre ein beachtliches Finanzpolster schaffen. Dennoch steht nun eine Änderung an. "Sicher hat unsere derzeitige Rechtsform ihren historischen Charme, eine Aktiengesellschaft hat dagegen einen modernen Charme", sagt Dreyer dazu. Vor allem erleichtert die Umwandlung des Bankbetriebes in eine AG Beteiligungen und Übernahmen, zum Beispiel den beabsichtigten Einstieg in den Privatkundenbereich der Bankgesellschaft Berlin. Der Vorstand der neuen AG wird überwacht werden von einem Aufsichtsrat. Der wäre neu für die Haspa, ist andererseits aber dem heutigen Verwaltungsrat recht ähnlich. Dieses Gremium, dessen 18 Mitglieder zu zwei Dritteln vom Kuratorium und zu einem Drittel von der Belegschaft gewählt werden, muss wichtige Geschäftsvorfälle wie etwa einen Grundstückserwerb absegnen, außerdem bestimmt der Verwaltungsrat, wer im Vorstand sitzt - neben Dreyer aktuell drei weitere Personen. Auch in Zukunft dürfte es den Beirat geben, das von der Kopfzahl her größte Gremium der Haspa: Jeder der acht Regionalbereiche, die etwa den sieben Bezirken der Hansestadt entsprechen, hat seine eigene Beratungsrunde. Ihnen gehören zwischen elf und 16 Mitglieder aus dem Regionalbereich an - häufig Kaufleute, aber auch Notare und Pastoren. Etwa dreimal jährlich treffen sie sich mit der Direktion des Regionalbereichs. "Man spricht dabei vor allem über die Sorgen und Nöte der Leute in der jeweiligen Region", beschreibt Dieter Salzwedel von der Haspa die Funktion der Beiräte. Nur einmal in jedem Jahr aber kommen alle der mehr als 100 Repräsentanten aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Sparkasse zusammen: immer zur Feier des Haspa-Geburtstags am 16. Juni. "Sicher hat unsere derzeitige Rechtsform ihren historischen Charme, eine Aktiengesellschaft hat dagegen einen modernen Charme." Karl-Joachim Dreyer, Haspa-Vorstandssprecher




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