Alcopop-Tricks der Händler
Sondersteuer: Wie sie geschickt umgangen wird.
Hamburg. Das Produkt heißt Uranov Ice, sieht aus wie ein Alcopop, schmeckt wie ein Alcopop und hat mit 5,65 Prozent genauso viel Alkohol wie ein Alcopop. Doch die Marke der Handelskette Edeka ist kein Alcopop - zumindest nicht nach dem Gesetz der Bundesregierung, das Anfang August in Kraft getreten ist.
"Die neue Sondersteuer auf alkoholhaltige Süßgetränke wird nicht fällig, weil Uranov auf Weinbasis produziert wird und nicht wie zuvor auf Wodkabasis", sagt Unternehmenssprecherin Marliese Kalthoff. Ganz bewusst nutzt der größte deutsche Lebensmittelhändler damit eine Lücke im neuen Gesetz aus, das zwar Mixgetränke auf Branntweinbasis mit einer Sondersteuer von 80 bis 90 Cent belegt, Bier- oder Weinmixgetränke aber außen vor lässt. Dabei hat sich Edeka bei Uranov noch nicht mal die Mühe gemacht, einen neuen Namen für das Mixgetränk zu erfinden. Die Marke erinnert nach wie vor in der Aufmachung an Mixgetränke auf Wodkabasis.
Wie Edeka arbeitet auch der Handelsriese Rewe, der in seinen Minimal- und HL-Märkten 20 "echte" Alcopops ausgelistet hat, dafür aber je nach Region vier bis fünf neue Varianten auf Weinbasis ins Sortiment aufgenommen hat. Die Produkte heißen Ducanoff, Tico, XPlosive, Magic Man oder Puschkin und enthalten ebenfalls etwa 5,5 Prozent Alkohol. Alle Flaschen mit 0,275 Liter Inhalt kosten deutlich weniger als einen Euro. "Wir haben die Produkte teilweise schon Anfang Juli mit Blick auf die Sondersteuer ins Programm genommen", sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Die Ausnutzung der Gesetzeslücke hält er für "völlig legitim".
Bei den reinen Discountern Aldi, Lidl und Plus ist derzeit statt einer Preiserhöhung sogar eine Preissenkung bei den "echten" Alcopops auf Branntweinbasis zu beobachten. So kostet das Sechserpack Zaranoff (mit Wodka) bei Aldi derzeit 3,99 statt 4,99 Euro. Der Grund: Deutschlands größte Billigkette verkauft im Augenblick - ebenso wie Plus - ihre Restbestände an Alcopops.
Da diese noch vor dem 1. August produziert wurden, wird auf sie ebenfalls noch keine Sondersteuer fällig. Ein Nachfolgeprodukt plant Aldi derzeit noch nicht.
Die Handelskette Spar, die fast nur Markenprodukte führt, hat als eines der wenigen Unternehmen noch die Markenprodukte Smirnoff Ice und Rigo als Großhändler im Programm. "Wir wollen unseren selbstständigen Einzelhändlern nicht vorschreiben, was sie verkaufen sollen und was nicht", sagt Spar-Sprecherin Christina Werthner. Ob man die Mixgetränke im Sortiment behalte, werde die Nachfrage in den kommenden Monaten zeigen.
Edeka-Sprecherin Kalthoff sieht unterdessen bereits Anzeichen dafür, dass der Alcopop-Trend bei Jugendlichen am Abebben ist. "Der große Boom der Mixgetränke begann 2001 und endete im vergangenen Jahr." Im ersten Halbjahr dieses Jahres sei bei alkoholhaltigen Mixgetränken ein Umsatzrückgang um 60 bis 70 Prozent zu verzeichnen gewesen. "Dies kann kein Effekt der Sondersteuer gewesen sein, da wir in diesem Zeitraum noch alle Mixgetränke im Programm hatten."
Auch Hamburgs größte Brauerei, die Holsten-Gruppe, sieht den Zenit bei Mixgetränken bereits überschritten und plant daher keine neuen Produkte. "Zu exotische Mischungen wie Bier mit Kräutern haben wir bereits wieder aus dem Sortiment genommen", sagt Unternehmenssprecher Udo Franke. Gut laufe lediglich der Absatz klassischer Mischungen wie Bier mit Limonengeschmack (Holsten Cooler) oder das traditionelle Alsterwasser.
Für diese Getränke rechnet Franke nicht mit einem Absatzschub durch die Steuer. "Eher gehen die Jugendlichen wieder zum Selbermixen über."





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