Getrennte Wege bei den Zinsen
US-Notenbank erhöht sie. In Europa bleiben sie stabil. Fünf Fragen und Antworten zu den Gründen.
Hamburg. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist dem Beispiel der USA nicht gefolgt: Die Währungshüter ließen die Zinsen im Euro-Raum gestern bei 2,0 Prozent stabil. Am Vortag hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins erstmals seit vier Jahren wieder erhöht - um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent.
"Die USA sind die USA und der Euro-Raum ist der Euro-Raum. Wir sind zwei verschiedene Universen", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach einer Sitzung der Notenbanker. Hauptziel der EZB ist die Preisstabilität von maximal zwei Prozent Inflation im Euro-Raum - und diese sei mittelfristig weiterhin gewährleistet. Auch der Aufschwung setze sich fort.
Warum hat die US-Notenbank die Leitzinsen heraufgesetzt?
Angesichts des kräftigen Aufschwungs in den USA hat die Fed mit der Anhebung ein Signal gesetzt, dass die Niedrigzinsphase zu Ende geht, mit der die Wirtschaft in den USA angekurbelt werden sollte - und wurde. Volkswirte rechnen damit, dass die Leitzinsen bis Ende 2005 in weiteren Schritten auf vier Prozent steigen werden. Mit der Zinserhöhung soll zugleich die Inflation eingedämmt werden, die in den USA durch den hohen Ölpreis gestiegen war. Nach dem Ende des Technologiebooms 2000 hatte Fed-Chef Alan Greenspan die Leitzinsen in 13 Schritten von 6,5 Prozent auf ein Prozent gesenkt, dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 1958.
Welche Auswirkungen hat die Zinserhöhung in den USA?
Direkt spürbare Folgen für das Verbraucherverhalten sind nicht zu erwarten. Dazu ist der Zinsschritt zu gering. Die Hypothekenbanken haben jedoch schon im Vorfeld der Zinsentscheidung ihre Ausleihesätze für langfristige Festzinskredite von 5,5 auf 6,5 Prozent angehoben. Generell soll durch teurere Kredite die Kauflust gebremst werden.
Was bedeutet die Zinsanhebung in den USA für Europa?
Die Zinsanhebung könnte zu einer Aufwertung des Dollar führen - oder zumindest den Aufwärtstrend des Euro stoppen. Da die Zinsdifferenz zwischen Dollar und Euro nun geringer ist, gewinnt der Dollar für Investoren an Attraktivität, so Eckhardt Wohlers, HWWA-Konjunkturchef. Ein schwächerer Euro kommt wiederum dem Export zu gute: Deutsche Waren können außerhalb des Euro-Raums günstiger verkauft werden, ihre Absatzchancen steigen. Der Nachteil: Importe wie Rohöl verteuern sich, so Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Die Verbraucherpreise könnten steigen, die Inflation hochtreiben.
Wird die EZB nun nachziehen?
Hamburger und Kieler Konjunkturforscher rechnen dieses Jahr nicht mehr mit einer Anhebung der Zinsen durch die EZB. "Eine Zinserhöhung im Euro-Raum ist bis weit ins nächste Jahr nicht notwendig", meint Wohlers vom HWWA. Die Inflation im Euro-Raum, die vorübergehend durch die hohen Ölpreise angetrieben wurde, werde sich im Herbst wieder abschwächen. Auch die Konjunktur springe langsam wieder an. Dafür wäre eine Zinserhöhung eher ein Bremsklotz. Die Wende in der US-Zinspolitik nehme aber zugleich den Druck von der EZB, ihre Zinsen zu senken, wie es aus der Politik oft gefordert wird. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch auch, dass die EZB oft mit mehrmonatiger Verzögerung der US-Zinspolitik tendenziell gefolgt ist.
Wie wirken sich höhere Zinsen auf den Konsum aus?
Kredite werden durch höhere Leitzinsen mittelfristig teurer. Denn die Banken, die sich Geld zum Leitszinssatz leihen, geben die Erhöhung an ihre Kunden weiter. Angst vor Jobverlust und neuen Belastungen verleiten die Deutschen schon heute zum Angstsparen. Höhere Zinsen würden die Lust auf Anschaffungen weiter bremsen - und den zarten Aufschwung eher abbremsen. Auch für den Immobilienmarkt sind höhere Zinsen Gift. Wer nach Marktzinsen seine Hypothekendarlehen abstottert, muss durch einige Zinsschritte nach oben der Bank schnell deutlich mehr an Raten bezahlen.



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