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Wirtschaft

Der neue Chef der Bundesbank

Kölner Professor Axel Weber folgt auf Ernst Welteke. Entscheidung völlig überraschend. Ökonom wird heute vorgestellt.

Berlin. Die Entscheidung ist gefallen: Der Kölner Wissenschaftler Axel Weber (47) soll Nachfolger des zurückgetretenen Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke werden. Darauf haben sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel (beide SPD) verständigt, bestätigte gestern Abend das Bundesfinanzministerium in Berlin.

Der 47-jährige Weber ist Professor am Lehrstuhl für internationale Ökonomie in Köln und seit 1998 Direktor des Center for Financial Studies (CFS) in Frankfurt am Main. Zugleich ist der zweifache Familienvater seit 2002 Mitglied der "Fünf Weisen", des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Weber gilt als versierter Ökonom mit ausgezeichneten Kenntnissen über die nationale und internationale Geldpolitik. Vor seiner Tätigkeit an der Kölner Universität war er Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Bonn. Anschließend hatte er bis 2001 den Lehrstuhl für Angewandte Monetäre Ökonomie an der Universität in Frankfurt am Main inne.

Weber ist und war unter anderem Berater und Autor von Positionspapieren für die Europäische Zentralbank, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament. Er hielt sich als Gastforscher an zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen sowie am Internationalen Währungsfonds (IWF) auf. Zudem organisierte er zahlreiche internationale Fachkonferenzen, unter anderem mit Beteiligung der Weltbank und der Europäischen Zentralbank sowie der Nationalbanken von Österreich, Portugal und Ungarn.

Webers Nominierung kam überraschend. Als Nachfolger für Welteke, der nach der Hotel-Affäre am vergangenen Freitag seinen Rücktritt erklärt hatte, waren bislang unter anderen Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke und Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser und Bundesbankvize Jürgen Stark, der derzeit die Amtsgeschäfte kommissarisch führt, genannt worden.

Ernst Welteke hatte mit seinem Rücktritt die Konsequenz aus seiner Hotel-Affäre gezogen. Zum Jahreswechsel 2001/2002 hatte sich der oberste Bundesbanker von der Dresdner Bank einen Aufenthalt in der Berliner Luxus-Herberge Adlon bezahlen lassen. Ebenfalls soll er auf Kosten des Autobauers BMW 2003 in Monaco ein Formel-1-Rennen besucht haben.

Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz bewertete die Entscheidung für Weber im Grundsatz positiv. Das Votum für Weber sei eine "fachlich in jeder Hinsicht überzeugende Lösung", sagte Merz.

Professor Weber soll heute offiziell dem Bundeskabinett vorgestellt werden. Danach wird er vom Vorstand der Bundesbank angehört. Offiziell wird der neue Bundesbankchef vom Bundespräsidenten ernannt.HA

 

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