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Wirtschaft

Kindersitze für Flugzeuge

Weltneuheit aus Hamburg: Innovint in Wandsbek will Fliegen sicherer machen. Erste Aufträge für das Familienunternehmen.

Hamburg. Kleinkinder sind bei Flugreisen besonders gefährdet. Bei kontrollierten Notlandungen, abgebrochenen Starts oder Turbulenzen haben sie kaum eine Überlebenschance. Denn die normalen Flugzeugsitze sind zu groß für sie. Im Notfall bieten deren Sicherheitsgurte deshalb keinen Schutz. Sie können sogar zu tödlichen Verletzungen führen.

Auch die Notlösung, das Kind in gefährlichen Situationen beim Fliegen auf den Arm zu nehmen, bietet keine Sicherheit. "Im Flugzeug wirken Kräfte die sechzehnmal größer als die Erdanziehung sind", sagt Uwe Gröning, Inhaber der Hamburger Firma Innovint, dem Abendblatt. Und da hilft auch der schützende Arm von Mutter oder Vater dem Kind wenig. Ein zehn Kilo schweres Kind "wiegt" bei der Vollbremsung eines Fliegers also 160 Kilogramm - das kann niemand festhalten.

Innovint will die Misere jetzt beenden. Das Unternehmen (19 Mitarbeiter, 2,5 Millionen Euro Umsatz) hat als Erstes seiner Branche spezielle Kindersitze für den Flugverkehr entwickelt. "Die Grundidee war ein besserer Schutz der Kinder", sagt Co-Geschäftsführerin Ursula Gröning. "Allerdings war die Entwicklung mühsam und langwierig." Vier Jahre dauerte es, bis die Kindersitze alle technischen Ansprüche und Sicherheitsvorschriften erfüllten. Mehr als 600 000 Euro investierte Innovint in das Projekt.

Die Sitze müssen aus nicht brennbarem Material gefertigt sein und zu allen Flugzeugtypen passen. Außerdem müssen sie einen Säugling genauso gut schützen wie ein doppelt so großes und sehr viel schwereres Kind.

Der Markt für das Produkt aus Hamburg ist noch klein. Pro Flugzeug werden im Durchschnitt drei Kindersitze gebraucht. Linienflieger haben weniger Bedarf als Chartermaschinen, die Familien mit Kleinkindern in den Urlaub transportieren. Gröning rechnet damit, dass insgesamt 200 000 Kindersitze weltweit benötigt werden. "Wir wollen 1000 Stück pro Jahr verkaufen", gibt er sich zuversichtlich.

Zwei Kunden hat er schon. Die britische Royal Air Force und die Schweizer Rettungsfluggesellschaft haben jetzt die Weltneuheit aus Hamburg bestellt.

Nun hofft Gröning auf Aufträge von weiteren Fluggesellschaften für die kleinen Sitze, die pro Stück 2300 Euro kosten. Doch das Geschäft läuft nur zäh an, wie er sagt. Denn im internationalen Flugverkehr gibt es noch keine verbindlichen Sicherheitsbestimmungen für den Transport von Kindern. "Die werden bald genauso kommen wie die Anschnallpflicht im Straßenverkehr", ist sich Gröning sicher. "Dann haben wir bereits ein fertig entwickeltes und zugelassenes Produkt."

Seit 25 Jahren ist das Ehepaar Gröning mit Innovint in der Innenaustattung von Flugzeugen tätig. Zu den Produkten zählen Lampen, Tische, Babybetten oder Rollstühle für die Jets. Daneben produziert Innovint Medizin- und Notfallausrüstung. Insbesondere bei längeren Flügen haben die großen Fluggesellschaften einen Arzt an Bord, der Medikamentenkoffer und Geräte zur Behandlung von Patienten braucht.

Für Privatkunden haben die Hamburger auch Einzelanfertigungen im Programm. Und damit sind sie offenbar erfolgreich. So hat das Unternehmen die Innenausstattung für die niederländische und die französische Präsidentenmaschine in seiner Wandsbeker Werkstatt gefertigt. Auch Popstars und Ölscheichs gehören zu den Kunden. Sie bestellen zum Beispiel Bars oder Canapes für ihre Privatjets aus Hamburg.

"Sicherheit beim Fliegen sollte aber kein Exklusivrecht für Wenige sein", sagt Ursula Gröning. "Deswegen haben wir die neuen Sitze entwickelt, die möglichst viele Kinder schützen sollen."

 

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