Die Bahn kommt - zu spät
Konzern wehrt sich: Fast jeder erreicht Anschlusszug
Hamburg. Immer weniger Züge kommen pünktlich ans Ziel. Im August seien es weniger als 85 Prozent gewesen, berichtet der "Spiegel". Die Pünktlichkeit lag damit bei den "katastrophalen Werten" vom Jahresanfang, als Eis und Schnee die Fahrten behinderten, und weit entfernt von den 95 Prozent, die Bahnchef Hartmut Mehdorn anstrebe, so das Magazin. Die Zahl der Verspätungen sei bereits das dritte Jahr in Folge gestiegen. Der Hintergrund der Zahlen ist laut "Spiegel" eine interne Analyse der Bahn. Nur sechs Prozent aller Verspätungsgründe gehen demnach auf das Konto "externer Störungen". Für 65 Prozent der Pünktlichkeitsprobleme sind "technische Störungen", Schwierigkeiten bei "Abwicklung/Disposition" und "schlechte Produktionsplanung" verantwortlich. Die Berichte über mangelnde Pünktlichkeit seien teilweise "bewusst unwahr", entgegnete Konzernsprecher Dieter Hühnerkoch gestern. Zwar sei es richtig, dass bei den Ursachen für Verspätungen "die Außenwirkungen prozentual geringer seien als ein Drittel". Dies treffe aber nicht auf die Auswirkungen dieser Ursachen zu. Selbstmorde, nach denen Züge stundenlang stillstehen müssten, Unwetter, Blitzeinschläge, die ganze Stellwerksregionen stilllegten, sowie Unfälle an Bahnübergängen hätten "extrem höhere Auswirkungen" auf Verspätungen als interne Ursachen. "Entscheidend für den Kunden ist die Anschlusssicherheit, und die liegt bei 95 Prozent", sagte Bahnsprecher Werner Klingberg. Wenn auf Anschlusszüge keine Rücksicht genommen werde, ließe sich die Pünktlichkeit leicht verbessern. Das wäre aber nicht im Interesse der Kunden. Verbesserungen für den Schienenverkehr verspricht sich Bundeskartellamtschef Ulf Böge von einer Privatisierung des Schienennetzes. Obgleich er den Wettbewerb auf der Schiene durch die Deutsche Bahn nur unwesentlich behindert sieht, sei die Trennung von Gleisen und Betrieb die "ordnungspolitisch saubere Lösung", sagte Böge dem Gewerkschaftsmagazin "Transnet-Themen". Mit privaten Eisenbahngesellschaften verbessere sich die Versorgungssicherheit, und die Verbraucher müssten zudem weniger zahlen, sagte er.



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