Bierkästen und Flaschen knapp
Kühle Getränke sind heiß begehrt. Um den Nachschub zu sichern, sollte Leergut schnell zurückgegeben werden.
Hamburg. Sonne, Hitze - und selbst in den Nächten kühlt es kaum mehr ab. Besser könnte der Sommer nicht laufen, zumindest für die Getränkeindustrie. Alle lechzen nach Erfrischungsgetränken. Die Absätze von Mineralwasser, alkoholfreien Drinks und Bier steigen seit Wochen sprunghaft. Der deutsche Getränkegroßhandel spricht schon von einem "Superjahr" und zweistelligen Umsatzzuwächsen. Bei Holsten, Beck's, der Fürst Bismarck Quelle oder Coca-Cola wird zurzeit zusätzlich nachts und am Wochenende abgefüllt. Doch die große Nachfrage bringt einige Hersteller bereits in Lieferschwierigkeiten: Kästen und Flaschen werden knapp. Hauptgrund für den Engpass ist in diesem Jahr nicht nur das schöne Wetter, sondern vor allem das neue Dosenpfand. Weil der Handel und die Industrie bis heute kein einheitliches Einweg-Rücknahmesystem anbieten, greifen immer mehr Verbraucher zu Mehrwegflaschen. "Viele Händler haben Einwegflaschen schon ganz aus ihrem Sortiment ausgelistet", sagt Matthias Riehle, Marketing-Vorstand von Nestle Waters. In der Folge führte dies dazu, dass der Einwegverkauf einbrach. Die Nachfrage aber blieb. Das Problem für die Hersteller: Fast alles muss in Mehrwegflaschen abgefüllt werden - doch es mangelt dafür an Behältnissen. Bei den Bierbrauern, die allein im Juni ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent steigern konnten, sind vor allem die Kästen ein heiß begehrtes Gut. "Wir könnten sehr viel mehr Bier verkaufen, wenn wir mehr Kästen hätten", sagt der Sprecher der Bremer Brauerei Beck's, Jörg Schillinger dem Abendblatt. Erschwerend kämen hierbei Produktionsengpässe dazu: Die Kästenhersteller können offenbar nicht so schnell produzieren, wie Bierkästen bestellt werden. So hat Beck's zwar einen Großauftrag vergeben. "Doch wir bekommen pro Woche nur 30 000 Stück geliefert", so Schillinger. Die Folge: Gastronomen und Einzelhändler erhalten von Beck's derzeit zum Teil weniger geliefert, als sie bestellen. Die Hamburger Holsten-Brauerei, die sich derzeit über "Superverkaufszahlen" freut, hatte im Vorfeld der Dosenpfand-Einführung vorgesorgt. "Wir haben schon vor einem Jahr vermehrt Leergut eingekauft", sagt Holsten-Sprecher Udo Franke. Um einer Knappheit vorzubeugen, werden derzeit alle Großhändler häufiger angefahren, um Leergut abzuholen. "Jetzt starten wir auch mal Abholtouren, selbst wenn der Lkw nur halbvoll zurückkommt." Holsten tausche zudem Leergut intern zwischen den Marken aus, so Franke: "Bisher sind wir lieferfähig und bleiben das auch." In der Mineralwasserbranche sind PET-Mehrwegflaschen Mangelware, berichtet der Geschäftsführer der Adelholzener Alpenquellen in Bayern, Stefan Hoechter. Der Betrieb musste seine Produktion deshalb auf zwei Kernprodukte beschränken: Mineralwasser und Apfelschorle. Für seine Randsorten - wie Pflaume Body Balance - kann das Unternehmen derzeit keine lückenlose Lieferung mehr garantieren. Ähnlich sieht dies bei dem Konzernriesen Coca-Cola aus, sagte ein Pressesprecher dem Abendblatt: "Wir konzentrieren uns auf das Abfüllen unserer Kernmarken Coca, Fanta, Sprite und Lift." Bei den Nebenmarken könne es vorkommen, dass sie für einige Tage in den Regalen fehlen. Auch Holsten produziert jetzt verstärkt seine Hauptmarken wie Holsten und Lübzer Pils. Bei Nestle Waters (Vittel, Perrier, Fürst Bismarck) muss zwar weder das Sortiment ausgedünnt werden noch sind Flaschen knapp. "Aber", ärgert sich Vorstand Riehle: "Die Folgen des Dosenpfands verhindern ein noch besseres Geschäft." Um eine Verschärfung der Lage zu verhindern, appellieren Brauereien und Mineralwasserabfüller an alle Verbraucher, Kästen und Pfandflaschen schnellstmöglich zurückzugeben. Coca-Cola startete bereits eine bundesweite Aktion unter dem Slogan "Wanted" - Mehrwegflaschen dringend gesucht. Auch sollten PET-Mehrwegflaschen nicht weggeworfen werden, so der Sprecher des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen, Arno Dopychai: "Ihre Herstellung ist teurer als ihr Pfand." Dennoch beruhigt der Chef des deutschen Getränkegroßhandels, Günther Guder: "Es wird keinen Getränkenotstand geben. Allenfalls ist eine Marke mal für ein bis zwei Tage nicht im Verkaufsregal."




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