Hamburgs dritte Dimension
Simulation: Eine Stadt auf DVD. Wofür Airbus, HEW und andere Firmen die neue Software nutzen wollen.
Hamburg. Hamburgs Hafen mal anders, als eine Art dreidimensionales Videospiel: Per Mausklick und Pfeiltasten spaziert eine virtuelle Figur die Treppen von der Jugendherberge am Stintfang herunter zu den Landungsbrücken. Sie könnte dort an Bord eines der Schiffe gehen. Oder sie kehrt mit einem Tastendruck um, geht am Alten Elbtunnel vorbei, die Hafenstraße entlang zum Fischmarkt. Der Neugier des Computernutzers sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Hamburg liegt ihm zu Füßen, Ausflüge in Helikopterhöhe mit Panoramablick über die HafenCity inklusive. "Walkinside 3.0" heißt das Computerprogramm für den virtuellen Stadtrundgang, das die Hamburger Firma CLiB jetzt neu anbietet. Als Datengrundlage dienen Messwerte vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung. Die Behörde hat in den vergangenen Jahren Flugzeuge mit Laserscannern in den Himmel geschickt und ein digitales Höhenmodell der Hansestadt erstellt. Umgesetzt als farbige 3-D-Animation stößt das Projekt in Hamburgs Firmenwelt jetzt auf Interesse. Denn was auf den ersten Blick wie ein Spiel anmutet, kann weit mehr als städtebauliche Planungen erleichtern, Investoren zum Bauen ermutigen oder Touristen für Hamburg begeistern. "Zu unseren potenziellen Kunden gehören vor allem Unternehmen mit größeren Liegenschaften und Gebäudekomplexen, die ihre Objekte besser planen, verwalten und bewerben möchten", sagt CLiB-Geschäftsführer Bernd Müller-Jürries dem Abendblatt. So könnten die 3-D-Bilder nicht nur die Grundrisse und Gebäudefassaden exakt nachbilden, sondern auch mit einer Vielzahl zusätzlicher Informationen angereichert werden, die sich dann per Mausklick abrufen lassen. "Das kann bis zum defekten Türgriff gehen, bei dem der Hausmeister mit Hilfe der virtuellen Gebäudebegehung Hersteller und Seriennummer herausfinden kann", erklärt Müller-Jürries, der das 1989 gegründete Unternehmen zusammen mit Jürgen Telschow-Schröder führt. Spannende Einsatzmöglichkeiten sehen die beiden Architekten auch im Sicherheitsbereich. So habe der Öl-Multi Shell bereits entschieden, alle seine Bohrinseln in 3-D-Technik darstellen zu lassen, um am Bildschirm Katastrophenszenarien durchzuspielen. Auch die Feuerwehr könne von der Technik profitieren. "Auf dem Weg zum Einsatzort könnten die Feuerwehrleute am Laptop die Fahrstühle und Fluchtwege erkunden", sagt Müller-Jürries. Interesse an der neuen 3-D-Technik signalisiert der Flugzeugbauer Airbus. "Wir könnten unser Werksgelände in Finkenwerder mitsamt dem Verlauf von Strom- und Wasserleitungen darstellen. Die sind bislang schwer zu finden, weil hier so oft umgebaut wird", sagt Marcoantonio Bardato, CAD-Experte bei Airbus, dem Abendblatt. Auch der Hamburger Stromversorger HEW hat Interesse: "Am Flughafen und in der HafenCity werden ständig große Bereiche aufgeschüttet. Mit der neuen 3-D-Technik lassen sich die Leitungen besser lokalisieren", sagt Norbert Letz, Leiter der HEW-Netzdokumentation. Die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss hat bereits Erfahrung mit der neuen Technik: Sie hat ein komplettes Kreuzfahrtschiff als 3-D-Modell erstellt, um Investoren zu einem Bauauftrag zu bewegen.



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