Handwerksmeister, mehr als ein Titel
Kommentar
In einer Zeit des allgegenwärtigen Umbruchs, in der alles Überlieferte in Frage gestellt wird, ohne immer auch eine neue Orientierung zu schaffen, droht jetzt einer seit dem Mittelalter begründeten Tradition das schleichende Ende. Der Meisterbrief, die beurkundete Befähigung, einen Handwerksbetrieb führen zu dürfen, hat die längste Zeit überdauert.
Dabei ist es weniger von Belang, dass die amtierende Bundesregierung den Meistertitel als Voraussetzung für die Selbstständigkeit in diesem Bereich der Wirtschaft abschaffen will, damit Firmen einfacher zu gründen und Jobs leichter zu schaffen sind. Allein die Entwicklung Europas, die Ausweitung der EU, wird vollendete Tatsachen schaffen. Nach einer Übergangszeit und bei entsprechender Berufserfahrung werden Polen und andere Neulinge der EU in Deutschland ihr Handwerk ausüben. Ohne Meistertitel. Deutsche dagegen brauchen ihn. Noch, denn die ungleiche Behandlung wird die EU nicht dulden.
Was wird aus dem deutschen Meister? Ein Titel ohne Wert? Vielleicht dient am Ende die verbriefte Meisterschaft wenigstens als Gütesiegel für solide Arbeit.














