Euro nun offizielles Zahlungsmittel
Slowakei nimmt Abschied von der Krone
Adieu Krone, willkommen Euro!“, war schon zum Jahreswechsel auf Plakaten in der ganzen Slowakei zu lesen gewesen. Ab 17. Januar wird es mit dem Abschied von der alten Landeswährung Ernst.
Foto: dpa
Bratislava. Der Euro ist ab diesem Tag das einzige offizielle Zahlungsmittel in der Slowakei, dem 16. Mitglied der Eurozone und zugleich erstem ehemaligen Ostblockland in diesem erlesenen Club.
Die 5,4 Millionen Slowaken verabschieden sich auch mit Wehmut von ihrer Krone, die ihnen in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Symbole für ihren beispiellosen Wirtschaftsboom mit BIP- Wachstumsraten von bis zu 10,4 Prozent (im Jahr 2007) geworden ist. Dass die Krone selbst in starken Euro-Jahren noch gewaltig gegenüber dem Euro aufwerten konnte, hat wesentlich zum rasch gestiegenen Lebensstandard in dem exkommunistischen Land beigetragen. Mit 30,1260 Kronen zu einem Euro wurde der endgültige Umrechnungskurs im vergangenen Jahr am aktuellen Marktwert orientiert. Fünf Jahre zuvor musste man noch 42 Kronen für einen Euro bezahlen.
Deshalb überwogen in Umfragen die Euro-Befürworter gegenüber den Krone-Nostalgikern lange Zeit nur hauchdünn. Erst die internationale Finanzkrise hat die Zustimmung zur neuen Währung schlagartig auf eine Zweidrittelmehrheit hochschnellen lassen. Während nämlich die Währungen der Nachbarländer Tschechien, Ungarn, Polen und Ukraine allesamt zum Spielball von Spekulationen wurden, blieb die Slowakische Krone dank ihrer bereits fixierten Bindung an den Euro stabil.
Technisch verlief die Währungsumstellung zum Jahreswechsel und während der gut zwei Wochen dualen Geldumlaufs, in denen die Geschäfte beide Währungen als Zahlungsmittel akzeptieren mussten, weitgehend klaglos. Von der Europäischen Kommission gab es dafür sogar ausdrückliches Lob.
Wer die ersten Euro-Erfahrungen im Alltag aus nächster Nähe beobachtete, stieß aber auch auf allerhand kleine Pannen und Unvollkommenheiten, die teils ärgerlich, teils mehr zum Schmunzeln waren. So gaben zwar die Bankomaten im ganzen Land innerhalb weniger Stunden ausnahmslos nur mehr Euro-Geldscheine heraus. Allerhand andere Automaten wie etwa für Parkscheine oder Busfahrkarten blieben in vielen Fällen lange bei der alten Währung oder fielen überhaupt aus.
Freuen konnten sich dafür Verkehrssünder: Weil sie mit der Ausstellung von Quittungen in der vorgeschriebenen doppelten Preisauszeichnung überfordert war, verhängte die Polizei während der ersten 16 Tage im ganzen Land keine Geldbußen.
Viele Taxifahrer hatten ihre Taxameter noch in der zweiten Euro- Woche ausschließlich auf Kronen eingestellt und reagierten unwirsch auf Euro-Bargeld. Die meisten Tankstellen blieben am Neujahrstag, viele auch noch ein paar Tage länger aus Überforderung einfach geschlossen. Auf der Suche nach Zeitungen oder Zigaretten gerieten viele Slowaken überhaupt an den Rand der Verzweiflung: An Kiosks und kleinen Lebensmittelläden tauchten nämlich ohne Vorwarnung plötzlich Aufschriften wie "Urlaub bis zum 17. Januar" auf.
Erfreulich hingegen, dass die staatliche Handelsinspektion in den ersten beiden Euro-Wochen keine Fälle von Missbrauch der Umstellung zu Preiserhöhungen feststellen konnten. Es wurden sogar wesentlich mehr Preise reduziert als erhöht. Die Regierungskampagne gegen den Teuro-Effekt, die bis zur Androhung von Haftstrafen für ungerechtfertigte Preiserhöhungen reichte, dürfte ihre Wirkung nicht verfehlt haben.
Die Slowakei könnte somit (auch wegen international fallender Inflationsraten) laut Ministerpräsident Robert Fico "zum ersten Euro- Land werden, in dem die Euro-Einführung nicht eine Steigerung, sondern einen Rückgang der Teuerung bewirkt".




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