Sparplan: Büdelsdorfer Mobilfunkfirma streicht bundesweit 1000 Arbeitsplätze
Freenet beschließt Kahlschlag in Elmshorn
500 Jobs fallen bei der Tochter Talkline weg. Standort Hamburg von Kürzungen kaum betroffen.
Hamburg. Kahlschlag vor den Toren Hamburgs: Der Büdelsdorfer Mobilfunkkonzern Freenet streicht 1000 Vollzeitstellen. Am härtesten trifft es den Standort Elmshorn mit mehr als 650 Arbeitsplätzen - er wird vollständig geschlossen. Den rund 160 Beschäftigten in der IT-Abteilung biete man eine Stelle im 80 Kilometer nördlich gelegenen Büdelsdorf an, sagte Freenet-Sprecherin Elke Rüther dem Abendblatt. Die übrigen rund 500 Stellen, vor allem im Kundenservice, fielen weg.
Bis wann die Streichungen umgesetzt werden und ob es dabei zu Entlassungen kommen wird, stehe noch nicht fest: "Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern beginnen erst."
Begründet wird der Jobabbau mit der Reduzierung von Doppelarbeiten nach der Übernahme des Stuttgarter Konkurrenten Debitel im Sommer. Elmshorn ist der Sitz der Debitel-Tochter Talkline. In der früheren Debitel-Zentrale in Stuttgart soll den Angaben zufolge rund die Hälfte der 600 Arbeitsplätze wegfallen. Auf den Standort Hamburg mit etwa 350 Freenet-Beschäftigten hätten die Pläne nur geringfügige Auswirkungen, sagte die Firmensprecherin. Insgesamt hatte der Konzern per Ende September rund 7700 Mitarbeiter, ungefähr die Hälfte von ihnen frühere Debitel-Angestellte.
"Wir wollen uns mit diesen Veränderungen optimal aufstellen, um am Markt angreifen und um in den vertriebsnahen Bereichen wachsen zu können", erklärte Freenet-Chef Eckhard Spoerr. Zusammen mit der "Verschlankung von zentralen Bereichen" werde dies "langfristig Arbeitsplätze in Deutschland sichern".
Spoerr hatte den Kauf von Debitel im Sommer gegen den heftigen Widerstand seiner Großaktionäre Drillisch und United Internet durchgesetzt. Der bisherige Debitel-Eigentümer, der Londoner Finanzinvestor Permira, erhielt im Gegenzug eine Kapitalbeteiligung von 24,99 Prozent an Freenet.
Durch die Übernahme der Stuttgarter Wettbewerber stieg Freenet mit 19 Millionen Mobilfunkkunden und 20 Prozent Marktanteil zum drittgrößten Anbieter in Deutschland nach T-Mobile und Vodafone auf. Unter den netzunabhängigen Anbietern hat Freenet sogar einen Marktanteil von 90 Prozent. "Die Konsolidierung der Serviceprovider-Landschaft in Deutschland ist damit weitgehend abgeschlossen", sagte Spoerr. Er will sich künftig auf die Mobilfunksparte (Marken: Mobilcom, Klarmobil und Debitel) konzentrieren, das Festnetzgeschäft mit den DSL-Internetzugängen steht zum Verkauf. Denn Spoerr ist überzeugt, dass das Internet per Handy nach und nach die Festnetzanschlüsse ablöst.
An der Börse stürzte der Kurs der Freenet-Aktie gestern um fast zehn Prozent auf 3,43 Euro ab. Dies sei offenbar nicht die Reaktion auf die Ankündigungen zur Restrukturierung, hieß es aus Analystenkreisen gegenüber dem Abendblatt. Zuletzt seien vielmehr erhebliche Zweifel aufgekommen, ob sich der geplante Verkauf des DSL-Geschäfts in absehbarer Zeit realisieren lasse. Zusammen mit der hohen Nettoverschuldung könne dies zur Belastung für Freenet werden. Erst am Vortag hatte United Internet als potenzieller Käufer der DSL-Sparte klargestellt, man sei nicht mehr interessiert.
Zwar hatte Freenet vorige Woche über einen Gewinnsprung im dritten Quartal auf 133 Millionen Euro (Ebitda) bei einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro berichtet. Das defizitäre DSL-Geschäft hatte man aber herausgerechnet. Spoerr warnte zudem vor dem härter werdenden Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt. Auch sei die Auswirkung der Rezession in Deutschland noch nicht absehbar.





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