Die Probleme in der Briefzustellung bei der Deutschen Post werden bundesweit andauern. "Die befristete Einstellung von 1000 Zustellern ist zwar ein...
Hamburg. Die Probleme in der Briefzustellung bei der Deutschen Post werden bundesweit andauern. "Die befristete Einstellung von 1000 Zustellern ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Wolfgang Abel, Hamburger Ver.di-Landesfachbereichsleiter und Mitglied im Post-Aufsichtsrat, im Gespräch mit dem Abendblatt. "Hamburg soll 90 Zusteller davon bekommen. Doch damit sind die Probleme noch nicht gelöst." Mittlerweile seien 300 000 Überstunden und 135 000 Resturlaubstage angefallen. Dies entspreche der Beschäftigung von 500 Mitarbeitern für ein Jahr.
Die jetzt mit Ver.di für nächste Woche vereinbarten Gespräche zur Zustellproblematik würden zeigen, zu welchen substanziellen Zugeständnissen die Post wirklich bereit sei.
Scharf wies Abel Vorwürfe des Post-Vorstandes zurück, der die Gewerkschaft und die Betriebsräte wegen des hohen Krankenstands für die Situation mitverantwortlich gemacht hatte. "Diese Behauptung ist so abenteuerlich, dass sie sich selbst diskreditiert. Wir haben die Probleme nicht verursacht, sondern nur darauf hingewiesen."
Abel forderte den Post-Vorstand auf, den Briefbereich durch neue Produkte zukunftsfähig zu erhalten: "Das Zustelldesaster darf nicht von Dauer bleiben und zur festen Planungsgröße werden. Dies verschrecke die Kunden." Der Briefbereich sei unverändert der größte Gewinnbringer der Post. Er trage 40 Prozent zum Überschuss bei, während er nur 25 Prozent des Umsatzes ausmache.
Der Rückzug der Deutschen Post aus dem nationalen US-Geschäft bereitete Abel angesichts der hohen Arbeitsplatzverluste von rund 14 000 Stellen "erstmals schlaflose Nächte". Gleichsam bezeichnete er die Konzernentscheidung als richtig. "Ein Fortführen des US-Geschäfts wie bisher hätte die Existenz des ganzen Konzerns gefährdet." Der Ausstieg hätte bereits Jahre früher erfolgen sollen. "Die Manager haben bei dem Desaster viel zu lange zugesehen." Abel lobte den Vorstandschef Frank Appel dafür, dass er das US-Problem "in seiner neuen Funktion schnell und konsequent korrigiert" habe. Die Internationalisierung des Konzerns sei für die Deutsche Post laut Abel "alternativlos": "Allerdings sollte die Post nicht versuchen, nationale Märkte zu erobern, auf denen sich bereits mehrere Platzhirschen tummeln."
Kritisch bewertet Abel dagegen den Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank. "Obwohl die Postbank als eigene Marke fortgeführt werden soll, erwarte ich einen Abbau von Arbeitsplätzen." Allerdings besteht für die Mitarbeiter in den Filialen noch bis Ende Juni 2011 ein Ausschluss von Beendigungskündigungen, für Postbank-Mitarbeiter bis Ende 2012. Grundsätzlich wünscht sich der Post-Aufsichtsrat in dem Konzern eine stärkere Wertschätzung der Mitarbeiter. "In vielen Adern fließt ,gelbes Blut', da schon ihre Väter und Großväter bei der Post arbeiteten. Ihre Arbeit sollte wieder mehr gewürdigt werden."
Unterdessen will Post-Vorstandschef Frank Appel an den Plänen zur Schließung sämtlicher eigener Filialen innerhalb der nächsten drei Jahre festhalten - und Postdienste zunehmend im Einzelhandel anbieten. "Die Kunden profitieren in der Regel von längeren Öffnungszeiten. Sie können ihr Paket oder ihre Briefsendung beim Zeitschriftenhändler etwa auch noch am frühen Abend oder am Samstagnachmittag aufgeben", sagte Appel der Deutschen Presse-Agentur. In Hamburg gibt es nur noch 16 Filialen, die von der Post betrieben werden.











