Deutschland-Zentrale verliert die Köpfe
Leise tröpfelt der Regen auf die Rolle ausrangierten Teppichbodens in Ebay-Farben neben den Mülltonnen. Die Spielfelder für Beachvolleyball und...
Foto: A3361 Stephanie Pilick
Berlin. Leise tröpfelt der Regen auf die Rolle ausrangierten Teppichbodens in Ebay-Farben neben den Mülltonnen. Die Spielfelder für Beachvolleyball und Basketball wären wohl auch ohne das Schild "Nur für Ebay-Mitarbeiter" verwaist. Hinter vielen Fenstern der vier Bürohäuser in Dreilinden, gleich hinter der Stadtgrenze von Berlin, stapeln sich Umzugskartons.
Die Deutschlandzentrale des Internet-Auktionshauses wirkt auf den ersten Blick so, als wäre der Auszug der Marketingabteilung schon vollzogen. Dabei ist gerade erst bekannt geworden, dass von den 1250 Angestellten rund 100 ihre Arbeit verlieren. Die deutsche Geschäftsführung soll künftig von Zürich und Bern aus geleitet werden, ebenso das Marketing, die technischen Abläufe wiederum von London aus. Die kreativen Köpfe verschwinden, die "ausführenden Organe" nicht. Der europaweite Kundenservice, der Vertrieb und eine kleine PR-Abteilung sollen noch bei Berlin bleiben, obwohl Deutschland nach den USA der zweitgrößte Absatzmarkt des Internet-Riesen ist.
Unter den zumeist jüngeren Mitarbeitern, die mittags in die Cafeteria schlendern, ist die Stimmung durchwachsen. "Natürlich finde ich es schlecht, dass die Marketingleute verschwinden", sagt ein Endzwanziger, der anonym bleiben möchte. Sein Kollege ergänzt: "Weil wir ja auch nicht wissen, wie es auf längere Sicht hier weitergeht." Eine etwas ältere Frau sagt leise: "Immerhin soll die Kundenbetreuung nicht angerührt werden."
Was aus dem Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck und dem Geschäftsführer "Marketplaces", Frerk-Malte Feller, wird, ist noch ungeklärt. Schließlich wird ihr Einflussbereich schmerzlich beschnitten. Für beide sollen Jobs im Konzern bereitstehen. "Herr Groß-Selbeck wird eine neue Aufgabe in Europa übernehmen", sagt Ebay-Pressesprecher Nerses Chopurian. Wie diese aussehen soll, werde noch in diesem Jahr bekannt gegeben, sobald die Umstrukturierung vollendet sei. Auch einigen anderen Mitarbeitern wurde der Wechsel nach Zürich oder London angeboten.
Erst im Jahr 2000 war das Auktionshaus in die vier Gebäude im Industriepark an der Autobahn gezogen. Doch seit die Umsätze geringer wachsen - im dritten Quartal soll der Ertrag im unteren Bereich der vorhergesagten Spanne von 2,1 Milliarden bis 2,15 Milliarden Euro liegen -, wird gespart. Weltweit sollen zehn Prozent der 16 000 Jobs bei Ebay abgebaut werden.





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