Am Freitag werden die letzten Gebote erwartet. Interview mit Klaus-Michael Kühne vom Hamburger Konsortium.

Klaus-Michael Kühne wurde 1937 in Hamburg geboren. Er schuf einen der führenden deutschen Logistikkonzerne, der zugleich einer der weltweit wichtigsten Dienstleister für die Organisation von Seefracht ist. Die Kühne Holding hat ihren Sitz im Schweizer Ort Schindellegi.

Klaus-Michael Kühne wurde 1937 in Hamburg geboren. Er schuf einen der führenden deutschen Logistikkonzerne, der zugleich einer der weltweit wichtigsten Dienstleister für die Organisation von Seefracht ist. Die Kühne Holding hat ihren Sitz im Schweizer Ort Schindellegi.
Foto: Röhrbein

Hamburg. Hapag-Lloyd am Scheideweg: Am Freitag läuft die Bieterfrist für Hamburgs traditionsreichstes Schifffahrtsunternehmen ab. Der TUI-Konzern will die Reederei verkaufen. Erhält die Staatsreederei NOL aus Singapur den Zuschlag, dürfte Hapag-Lloyd seine Unabhängigkeit weitgehend verlieren. Das will ein Konsortium aus Hamburger Finanzinstituten und Kaufleuten verhindern. Die Belegschaft von Hapag-Lloyd demonstriert heute noch einmal für diese "Hamburger Lösung".

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Abendblatt:

Herr Kühne, das Ringen um Hapag-Lloyd geht in die letzte Runde. Wird das Hamburger Konsortium mitbieten?

Klaus-Michael Kühne:

Ich gehe davon aus, dass das Konsortium ein Angebot abgeben wird.



Abendblatt:

Sie haben am Wochenende die Unterstützung der Bundesregierung für eine "Hamburger Lösung" gefordert. Dagmar Wöhrl, die Maritime Koordinatorin des Bundes, hat entgegnet, dass sich die Regierung in diesem Fall neutral verhält.

Kühne:

Mir erscheint es selbstverständlich, dass die Bundesregierung nationale Interessen wahrnimmt und sich für den Standort der wichtigsten deutschen Reederei einsetzt. Die Stadt Hamburg tut das ja in vorbildlicher Weise. Hier geht es nicht um irgendeine Industriebeteiligung, sondern um die deutsche Schifffahrt als Dienstleister und Partner des deutschen Außenhandels. Deutschland ist die führende Exportnation, deshalb muss das Land in der Schifffahrt über eine eigene Flagge verfügen.



Abendblatt:

Erwarten Sie von der Bundesregierung vor allem politische Unterstützung oder - so wie vom Hamburger Senat - auch ein finanzielles Engagement?

Kühne:

Letzteres wäre nicht unerwünscht, es könnte ja auch ein indirektes Engagement sein, etwa durch Finanzierungshilfen. Ich bin nicht ohne Hoffnung, dass sich die Bundesregierung da noch engagieren wird.



Abendblatt:

Was spricht für die "Hamburger Lösung", für einen Verkauf von Hapag-Lloyd an das Hamburger Konsortium?

Kühne:

Hapag-Lloyd ist eine Hamburger Institution. Nach der Übernahme durch einen ausländischen Käufer würde die Reederei schrittweise verschwinden, Arbeitsplätze würden verloren gehen. Auch eine Reihe indirekter Vorteile für Hamburg stehen auf dem Spiel. Die Schifffahrts-Allianz "Grand Alliance", deren Mitglied Hapag-Lloyd ist, ist der größte Kunde des Hamburger Hafens. Diese Allianz würde wohl zerbrechen. Die Übernahme von Hapag-Lloyd durch ein ausländisches Unternehmen sollte verhindert werden.



Abendblatt:

Wie stark ist das Hamburger Konsortium wirtschaftlich? NOL aus Singapur wird nachgesagt, die Reederei könne bei einer Übernahme von Hapag-Lloyd Synergieeffekte realisieren und sei deshalb in der Lage, einen höheren Preis zu bieten.

Kühne:

Vielleicht werden die möglichen Synergien für NOL überschätzt. Natürlich kann NOL bei seiner eigenen Reederei APL und bei Hapag-Lloyd einiges zusammen legen, das ginge dann wohl zu Lasten von Hapag-Lloyd und des Standorts Hamburg. Andererseits wird damit die Grand Alliance gesprengt, die für Hapag-Lloyd meines Erachtens von großem wirtschaftlichem Interesse ist. Die übrigen Teilnehmer der Grand Alliance würden dann um Ladung kämpfen und neue Allianzen suchen, was vermutlich auf Kosten von APL gehen würde. Deshalb ist fraglich, ob NOL tatsächlich so viele Vorteile ziehen kann, wie kolportiert wird.



Abendblatt:

Was könnte das Hamburger Konsortium zur Entwicklung von Hapag-Lloyd beitragen?

Kühne:

Eine eigenständige Hapag-Lloyd mit potenten Gesellschaftern und der Unterstützung der Stadt Hamburg würde sehr gute Chancen haben, sich weiterzuentwickeln. Das Hamburger Konsortium hat dafür sehr konkrete Pläne. Wir fühlen uns den wirtschaftlichen Chancen, die NOL hat, gewachsen.



Abendblatt:

Wer gehört denn nun außer Ihnen und der Privatbank M.M.Warburg zum Hamburger Konsortium?

Kühne:

Die anderen Beteiligten möchten nicht genannt werden. Es sind Banken und Versicherungsgesellschaften. Die Unterstützung durch die Stadt Hamburg ist ja bekannt. Es ist ein relativ kleiner, aber potenter Kreis, der da zusammenkommt.



Abendblatt:

Bis wann könnte der Verkauf abgeschlossen sein?

Kühne:

Das hängt von TUI als dem Verkäufer ab. Es gibt drei Möglichkeiten: Dass NOL zum Zuge kommt, dass wir zum Zuge kommen oder dass TUI gar nicht verkauft. Letzteres wäre allerdings nicht gut. Es liegt in der Hand von TUI. Ich wünschte mir, es würde schnell gehen. Das wäre auch im Sinne der Kunden und Mitarbeiter von Hapag-Lloyd.