TV der Zukunft: 250 000 Kunden
Fernsehen übers Internet immer beliebter
Zahl der Nutzer im ersten Quartal um ein Drittel gewachsen. Im Schnitt zehn Euro zusätzliche Kosten monatlich.
Hamburg. Fernsehen über das Internet entwickelt sich zum Massenmedium. Allein in den vergangenen Monaten hat sich die Zahl der Nutzer um 30 Prozent auf eine viertel Million erhöht. Mit Hansenet mischt neben der Deutschen Telekom und Arcor auch ein Hamburger Anbieter auf dem Markt mit. Und der wachse immens, "obwohl die Angebote noch nicht einmal breitflächig beworben wurden", sagt der Vizepräsident des Branchenverbandes Bitkom, Achim Berg. 40 Prozent der deutschen Internetnutzer könnten sich nach einer Studie des GfK Panel Services vorstellen, künftig über das Internet fernzusehen. "Damit eröffnet sich ein Massenmarkt von bis zu zehn Millionen Kunden", so Berg.
Auch die drei Anbieter erwarten ein immenses Wachstum. "Wir glauben an IPTV als Fernsehlösung der Zukunft", sagt Michele Novelli, Direktor der Abteilung Marketing & Sales bei Hansenet. Die Firma war nach eigenen Angaben der erste Anbieter, der ein IPTV-Produkt auf den Markt gebracht hat. Alice homeTV startete im Mai 2006. Aktuell hat Hansenet 20 000 Kunden. "Es handelt sich hier um eine recht junge Technologie, die sich in den letzten Jahren sowohl technisch als auch auf der Inhaltsseite enorm entwickelt hat."
Das Fernsehen via Internet funktioniert folgendermaßen: Benötigt wird eine Telefondose mit einem DSL-Anschluss von mindestens sechs Megabit pro Sekunde. Zudem braucht der Nutzer eine Set-Top-Box, die der Anbieter zur Verfügung stellt. Sie kostet bei der Telekom einmalig 49,99 Euro, Arcor berechnet 49,95 Euro. Hansenet verleiht die Hardware, die Gebühr hierfür ist im monatlichen Preis für Alice homeTV enthalten.
Die Telekom bietet seit eineinhalb Jahren Fernsehen über das Internet an. "Wir setzen voll auf dieses Konzept", sagt Unternehmenssprecher Marc Sausen. Zum Ende des ersten Quartals 2008 hatte das Unternehmen schon 200 000 Kunden. 500 000 sollen es bis Ende des Jahres werden.
Die Vorteile des Internet-Fernsehens werden nach Angaben von Klaus Böhm, Senior Manager der Beratungsgesellschaft Deloitte, aber erst in den kommenden Monaten richtig deutlich. "Wenn das sogenannte interaktive Fernsehen mit Hilfe des IPTV möglich wird", sagt Böhm, dessen Unternehmen vor wenigen Wochen eine Studie zum Thema Internet-Fernsehen vorgelegt hat. Derzeit würden die Anbieter beginnen, ihren Kunden beispielsweise zu ermöglichen, einen Film zeitversetzt zu sehen oder einfach anzuhalten. Doch in Zukunft werden auch Chatfunktionen möglich sein, bei denen verschiedene Nutzer untereinander kommunizieren können.
Böhm erwartet deshalb zwar einen stetigen aber langsamen Anstieg der Nutzerzahlen von IPTV. "Wir haben einwandfreie Fernsehsysteme über Kabel oder Satellit und die Menschen sehen oft keinen Grund, das zu ändern", sagt Böhm. Zudem hätten noch nicht genügend Haushalte einen DSL-Anschluss. Allerdings entwickele sich das System zu einer Fernsehform neben den bisher gängigen Möglichkeiten. "Es ist auf jeden Fall zukunftsträchtig."
Arcor drückt im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten Hansenet und Deutsche Telekom ein wenig auf die Euphoriebremse. "Noch sprechen wir nicht von einem Boom", sagt Konzernsprecher Thomas Rompczyk. Mittelfristig erwarte der Anbieter allerdings eine deutlich steigende Nachfrage. "Spätestens wenn im Jahr 2010 das analoge Fernsehen abgeschaltet wird, müssen sich die Nutzer Gedanken über Alternativen machen und bis dahin wird IPTV sicher noch reizvoller als heute sein."



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