Meist fangen sie mit einer ausgefallenen Idee und wenigen Mitarbeitern an: Das Abendblatt stellt Gründer im World Wide Web vor.
Hamburg. Sie schrauben seit ihrem 16. Lebensjahr gemeinsam an Computern herum. Stundenlang können sie vor dem PC sitzen und neue Ideen entwickeln. Auf einem Bauernhof in Cuxhaven gründeten Fridtjof Detzner (25) und Christian Springub (25) zusammen mit ihrem Freund Matthias Henze (30) vor vier Jahren das erste eigene Internetunternehmen Northclick. "Wir hatten nicht einen Euro und haben das Unternehmen aus dem Nichts heraus gegründet", sagt Matthias Henze. "Einen Kredit hätten wir nicht bekommen." Schnell kam den Tüftlern eine neue Geschäftsidee, im Februar 2007 gingen sie mit Jimdo online. Die Plattform hilft, eine eigene Homepage zu erstellen. Mittlerweile hat das Unternehmen seinen Firmensitz in Hamburg und 25 Mitarbeiter.
Die drei Inhaber von Jimdo sind nur ein Beispiel für die rege Gründerszene in der Hansestadt. Mit einem nüchterneren Blick und mit den Erfahrungen aus der geplatzten Internetblase Anfang dieses Jahrtausends starten in der Hansestadt überall neue Internetunternehmen durch. In Hamburg listet der Branchendienst deutsche-startups.de 49 Internetfirmen auf, die seit 2005 an den Start gingen. In Berlin und München entstanden mit 64 und 55 zwar mehr Unternehmen, gemessen an der Einwohnerzahl liegt die Hansestadt jedoch vorn.
"Die meisten der jungen Hamburger Unternehmen sind 2007 und 2008 entstanden", sagt Tobias Worzyk, Betreiber der Internetseite hamburg-startups.de. Stefan Klein, Projektleiter der Initiative Hamburg@work, stellt besonders in den vergangenen sechs Monaten ein gesteigertes Interesse junger Unternehmer an der Hansestadt fest. "Wir erleben eine steigende Aktivität in der Branche", sagt er. "Da bilden diese Zahlen wohl nicht die Realität ab. Wir vermuten, es sind mehr Start-ups."
Die Gründe sind nach Angaben von Worzyk von hamburg-startups.de vielfältig. Zum einen gingen Gründer gern dorthin, wo Kapitalgeber zu finden seien. "Und die gibt es in der Hansestadt mit einer Reihe von Risikokapitalgebern zur Genüge." Zudem habe Hamburg eine langjährige Tradition in der Medienbranche. Damit gebe es viele Kreative, die ein Internet-Start-up zur Hilfe brauche, wie beispielsweise Webdesigner. "Aber das wohl wichtigste ist, dass hier ein reger Austausch stattfindet", so Worzyk. "In Hamburg werden die Gründer an die Hand genommen", begründet Uwe Jens Neumann, Geschäftsführer der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Vorsitzender der Medien- und IT-Initiative Hamburg@work, das Interesse der jungen Unternehmer an der Hansestadt. Der Senat habe in den vergangenen Jahren die Branche stetig gefördert. "Zudem ist es in einem Stadtstaat immer leichter, als in einem Flächenstaat. Hier gibt es kurze Wege zu den wichtigen Stellen."
Der Boom schafft aber auch Arbeitsplätze. Die jungen Unternehmer müssen schnell die ersten Angestellten beschäftigen, die sich um die Technik oder das Design der Seite kümmern. Und finden diese Spezialisten gerade hier. "Nirgends sonst in Deutschland würden wir so viele so gut ausgebildete Leute finden", sagt so Schweyer von 1000Mikes. Mittlerweile arbeiten in der Hansestadt rund 130 000 Menschen in Betrieben aus dem Bereich Multimedia, Telekommunikation und Werbung, davon allein rund 45 000 im Bereich IT.












