Kommentar: Spitzelaufträge von der Bahn?
Misstrauen sät Misstrauen
Die Deutsche Bahn hat mit jener Detektei zusammengearbeitet, die für die Deutsche Telekom unappetitliche Spitzelaufträge ausgeführt hat. Kein guter Zug.
Die Deutsche Bahn hat mit jener Detektei zusammengearbeitet, die für die Deutsche Telekom unappetitliche Spitzelaufträge ausgeführt hat. Kein guter Zug.
Allerdings bleibt fraglich, ob die Bahn die Detektive für gesetzeswidrige Aktionen eingespannt hat. Derzeit gibt es diesbezüglich ein klares Dementi seitens des Logistikriesen. Und in einem Rechtsstaat gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung. Daran sollten wir uns halten.
Dennoch zeigen die Reaktionen auf die Bahn-"Enthüllungen", wie angeschlagen das Image deutscher Unternehmen derzeit ist. Sogar Verkehrspolitiker und Aufsichtsräte der Bahn verweisen die Verdächtigungen nicht in das Reich der Märchen. Im Gegenteil. Sie trauen dem Konzern illegale Spitzelaktionen zu, verweisen öffentlich auf angebliche Geheimdossiers über Bundespolitiker und bringen Bahnchef Mehdorn persönlich damit in Verbindung. Gibt es doch einen "Fall Bahn"?
Beim Discounter Lidl wurden Mitarbeiter detailliert überwacht, beim Hamburger-Brater Burger King zumindest gefilmt, bei der Deutschen Telekom ihre Telefonate überwacht. Das Vertrauen vieler Unternehmen in die eigenen Beschäftigten scheint nicht besonders groß zu sein. Dass die Öffentlichkeit auf dieses Misstrauen selbst misstrauisch reagiert, darf nicht verwundern. Da kommt der Verdacht gegen die Bahn gerade recht. Der Logistikkonzern hat gestern unverzüglich reagiert, seine Verbindungen zu der obskuren Detektei offengelegt. Bleibt zu hoffen, dass diesmal die ganze Wahrheit publik gemacht wurde und nicht wie im Fall der Telekom nur scheibchenweise ans Tageslicht kommt. Denn jede weitere Halbwahrheit wirft einen neuen Schatten auf die deutsche Wirtschaft. Unter Generalverdacht steht sie in weiten Teilen der Öffentlichkeit ohnehin schon - obwohl sie dies nicht verdient hat.




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