Handelskonzerne wollen Milchverträge neu verhandeln
Düsseldorf. Im immer erbitterter geführten Streit über die Milchpreise haben die Lebensmittelhändler Rewe und der Discountriese Aldi den Bauern Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der Handelskonzern sei bereit, mit den Molkereigenossenschaften über die Verträge zu sprechen, sagte Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck gestern in Köln. Rewe hoffe auf eine Lösung, die zu fairen Preisen für Bauern und Verbraucher führe. Allerdings dürften die Marktgesetze nicht ausgehebelt werden.
Auch der Discountriese Aldi zeigte sich offen für Gespräche. Das Unternehmen wolle den oft langjährigen Lieferanten und Geschäftspartnern dauerhaft ein berechenbarer und zuverlässiger Partner sein, erklärte Aldi Süd. Basis dafür seien offene und konstruktive Gespräche zwischen Aldi Süd und den Produzenten, "für die wir selbstverständlich auch in Zukunft zur Verfügung stehen".
Vor allem Aldi kommt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern eine Schlüsselrolle in dem Konflikt zu. Denn der Marktführer unter den deutschen Discountern setzt in der Regel mit seinem Angebot bei Milchprodukten die Preisschwelle, an der sich alle anderen Unternehmen orientieren müssen. So wurde der Preisanstieg für Milchprodukte im vergangenen Herbst von Aldi eingeläutet. Und auch bei dem einige Monate später einsetzenden Preisverfall setzte der Marktführer den Trend.
Der Druck auf die Lebensmittelhändler, eine Lösung zu finden, wächst zusehends. Denn die Handelskonzerne rechnen schon bald mit den ersten Lieferengpässen. Aldi Süd betonte, die Boykottaktionen der Milchbauern und die Blockaden von Molkereien könnten "zu Engpässen in der Belieferung einzelner Filialen von Aldi Süd führen". Auch Rewe-Sprecher Schmuck erklärte, derartige Blockaden würden sich irgendwann zwangsläufig auswirken.
Die Unsicherheit in der Branche ist aber noch groß. Ein Sprecher des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka wollte keine Prognose wagen, was bei den Gesprächen mit den Bauern herauskommen könne. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will einen "Milchgipfel" einleiten, sobald der Streit beendet ist. Wenn die Preisfrage geklärt sei, werde er den politischen Teil des Milchstreits bei einem Spitzengespräch mit Vertretern der Länder thematisieren, sagte Seehofer.





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