Transnet: Vorstand weiter unter Beschuss
Hamburg. In der Bahngewerkschaft Transnet wächst die Zahl der Mitglieder, die sich für eine grundlegende Erneuerung der Gewerkschaft aussprechen. In einem schriftlichen Appell an die Funktionäre fordern jetzt weitere Hamburger Transnet-Mitglieder den neuen Geschäftsführenden Vorstand zum Rücktritt auf.
"Wir haben den Eindruck, dass der neue Vorstand nicht bereit ist, die zurückliegende Gewerkschaftsarbeit unter Norbert Hansen selbstkritisch zu reflektieren", sagte einer der Initiatoren, Hans-Dieter Springhorn. Angesichts der großen Resignation unter den Mitgliedern nach dem für viele "enttäuschenden und vertrauensschädigenden" Seitenwechsel des Ex-Transnet-Chefs Norbert Hansen als Arbeitsdirektor zur Deutschen Bahn, brauche die Gewerkschaft einen "Neuanfang". In den vergangenen Tagen forderten bereits Vertrauensleute des Hamburger Bahnwerks in Eidelstedt und aus anderen Bundesländern den Vorstand zum Rücktritt auf. Die Gewerkschafter halten es für wichtig, "dass der unter Hansen gepflegte enge Kooperationskurs mit dem Bahnvorstand geändert wird".
Insbesondere melden sich jetzt auch Privatisierungsgegner stärker zu Wort. Während Hansen den Bahnchef in seinen Privatisierungsplänen voll unterstützt hatte, gehen die Kritiker davon aus, dass die Mehrheit der Transnet-Mitglieder den Börsengang der Bahn ablehnen, heißt es in dem Hamburger Appell.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Lothar Krauß, wollte sich zu den aktuellen Forderungen und Vorwürfen aus der Basis am Freitag nicht äußern. Transnet-Pressesprecher Michael Klein verwies stattdessen auf einen Beschluss des Transnet-Beirats. Dieser hatte vor einer Woche die Politik von Transnet "grundsätzlich bestätigt" und einen Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Gewerkschaftstages "mit großer Mehrheit abgelehnt".
Aus Furcht vor Streckenstilllegungen nach der Privatisierung fordern unterdessen die Bundesländer ein Mitspracherecht bei der Bahnprivatisierung. Sie verabschiedeten dazu am Freitag im Bundesrat einen eigenen Gesetzentwurf. Zwar wollten sich die Länder dem Vorhaben nicht prinzipiell entgegenstellen, sagte der Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre (CDU). Sie stünden aber in der Pflicht, ihre Verantwortung für den Nahverkehr wahrzunehmen. Die Lokführergewerkschaft GDL warnte, bei der geplanten Teilprivatisierung könnten ländliche Regionen ganz oder teilweise vom Fernverkehr der Bahn abgeschnitten werden. Betroffen wären im Norden unter anderem Kiel, Neumünster und Lüneburg.














