Dienstag, 29. Mai 2012, 13:17

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

+++ Eilmeldung +++

Am Mittag hat sich erneut ein heftiges Erdbeben in Norditalien ereignet

Wirtschaft

Schiffbau: ThyssenKrupp verkauft Rendsburger Traditionswerft

Investor schluckt Nobiskrug

Beschäftigungsgarantie für 400 Mitarbeiter. Hintermänner der Firma Eagle River Capital aber unbekannt.

Hamburg. Der ThyssenKrupp-Konzern hat den Rendsburger Yachtspezialisten Nobiskrug an einen Investor mit Sitz auf der britischen Kanalinsel Guernsey verkauft. Nach Informationen des Abendblatts zahlt die Firma Eagle River Capital einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für die 1905 gegründete Traditionswerft. Das defizitäre Unternehmen beschäftigt derzeit rund 400 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 81 Millionen Euro.

Der Verkauf steht im Zusammenhang mit der generellen Neuordnung des Yachtgeschäfts beim Werftenverbund ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), zu dem auch die Hamburger Werft Blohm + Voss gehört. Nach der Umstrukturierung war für den Yachtenbauer Nobiskrug, der sich auf Schiffe mit einer Länge bis zu 60 Metern spezialisiert hatte, kein Platz mehr im Konzern. "Wir haben im Rahmen eines aktiven Portfoliomanagements unsere Beteiligungen überprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, uns von Nobiskrug zu trennen", sagte ThyssenKrupp-Sprecherin Anja Gerber dem Abendblatt.

Hintergrund des Verkaufs waren aber auch erhebliche Verluste bei Nobiskrug, die vor allem durch Fehlkalkulationen beim Umbau einer historischen Yacht zustande gekommen waren. Die Renovierung des alten Schiffs war zu einem Festpreis vereinbart worden, wobei die Kosten im Anschluss komplett aus dem Ruder liefen.

Beim neuen Eigentümer von Nobiskrug handelt es sich um eine Gesellschaft, die nach Abendblatt-Informationen extra zum Erwerb der Werft gegründet wurde. Der Standort Guernsey gilt als klassische Steueroase für Privat-Equity-Fonds. Hinter Eagle River Capital soll eine nicht näher genannte britische Unternehmensgruppe stehen, die unter anderem auf den Bau von Stabilisatoren für Yachten spezialisiert ist.

"Nach anfänglicher Skepsis haben die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Werftenverbunds dem Verkauf von Nobiskrug zugestimmt", sagte IG-Metall-Schifffahrtsexperte und TKMS-Aufsichtsratsmitglied Heino Bade dem Abendblatt.

Ausschlaggebend dafür sei vor allem eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie für die 400 Mitarbeiter gewesen, die man mit dem neuen Eigentümer ausgehandelt habe. "Der Investor hat zudem zugesichert, einen zweistelligen Millionenbetrag in die Werft zu investieren", erklärte Bade weiter. Dieses Geld solle unter anderem in den Aufbau einer Aluminiumfertigung fließen. Zudem solle in eine Anlage zum Bau von Stabilisatoren investiert werden. "Wir gehen davon aus, dass sich der Investor an diese Zusagen hält und tatsächlich an einer Weiterentwicklung der Werft interessiert ist", sagte Bade. Eine Stellungnahme von Eagle River Capital war gestern nicht zu erhalten.

Nach dem Verkauf von Nobiskrug will sich der Werftenverbund TKMS nun neben dem Marineschiffbau auf den Bau größerer Yachten ab einer Länge von 90 Metern konzentrieren. Diese werden wie bisher auch bei Blohm + Voss in Hamburg entstehen. Sollten dennoch kleinere Yachten in die Auftragsbücher genommen werden, so sollen diese auf der Kieler Werft HDW gebaut werden.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus