Weltbank-Ökonom: China wächst ungebremst
Hamburg. Yifu Lin glaubt an China. Der designierte Chefökonom der Weltbank hält es für möglich, dass die Volksrepublik auch in den kommenden 30 Jahren eine Wachstumsrate von etwa zehn Prozent pro Jahr schaffen kann, sagte Lin vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten.
Bereits in den vergangenen 30 Jahren habe China einen ähnlichen Anstieg erreicht. Er betonte, die Führung gehe dabei Probleme wie die wachsenden Lohnunterschiede an. "Besucher in China erleben Städte wie in Europa, sehen aber ländliche Gegenden, die nicht entwickelter sind als Afrika", so Lin. Die Regierung arbeite daher daran, dass jeder Chancen auf einen Job habe, "um am Wachstum teilhaben zu können". Wenn die Probleme gelöst würden, könnte China gemessen an der Kaufkraft bis 2030 der größte Wirtschaftsmarkt der Welt sein. Yifu Lin gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftsberater der chinesischen Führung und ist der Kopf hinter den Fünfjahresplänen. Er verkörpert den Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft, verbindet kapitalistische Grundsätze und Planwirtschaftsideologie.
Eine Kombination, die auch in seiner wechselvollen Lebensgeschichte begründet ist. Yifu Lin wurde 1952 in Taiwan geboren, in einer Zeit, als auf der Insel ständige Alarmbereitschaft herrschte, weil man mit einem Angriff der Volksbefreiungsarmee vom chinesischen Festland rechnete. Überraschend brach er das Studium der Agrarwissenschaften ab und bewarb sich um einen Platz an der Militärakademie. 1979, vom Militär auf die Insel Jinmen versetzt, traf er eine Entscheidung, die sein Leben erneut radikal veränderte: Er schwamm nach China. Die Umstände der dramatischen Aktion lässt Lin allerdings im Dunkeln. In Peking studierte er schließlich Wirtschaftswissenschaften, promovierte in Chicago und kam dann als Wirtschaftsberater der Regierung zurück nach China. Im Mai tritt er sein Amt in Washington an.



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