Ole von Beust: Senat kauft fünf Prozent der Aktien
Sorge um Jobs: Stadt steigt bei Affi ein
Paket kostet 59 Millionen Euro. Bürgermeister: "Der Staat ist Teil des Marktes."
Hamburg. Die Stadt Hamburg hat sich mit fünf Prozent plus einer Aktie an der Norddeutschen Affinerie (NA) beteiligt, um die seit Monaten ein erbitterter Machtkampf tobt. Insgesamt bezahlt die Hansestadt für rund zwei Millionen Aktien etwa 59 Millionen Euro. Das Geschäft wurde über die städtische Beteiligungsgesellschaft HGV abgewickelt, die Zinsen für den Kredit sollen aus den Dividenden der erworbenen Aktien bezahlt werden. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sprach gestern Abend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz von einem "notwendigen Engagement". Es gehe um die Zukunft eines der wichtigsten Industriebetriebe der Stadt mit 2100 Beschäftigten und 140 Auszubildenden am Standort Veddel.
Mit den erworbenen Aktien will die Stadt dem Affi-Vorstand auf der kommenden Hauptversammlung den Rücken stärken und ganz offensichtlich den Einzug eines Vertreters des NA-Großaktionärs Mirko Kovats in den Aufsichtsrat der Kupferhütte verhindern. Die Firmenspitze liegt seit Monaten mit Kovats im Clinch, der mittlerweile über sein Unternehmen A-Tec gut 13 Prozent an der NA hält und mehr Einfluss bei dem Industriebetrieb anstrebt. Kovats verhindert derzeit auch den von der Affi geplanten Einstieg bei der belgischen Kupferhütte Cumerio.
Finanzsenator Michael Freytag (CDU) verwies bei dem jüngsten Engagement explizit auf die frühere Beteiligung der Stadt am Kosmetikriesen Beiersdorf, die Hamburg mittlerweile mit Gewinn verkauft hat, und den finanziellen Einstieg bei der Airbus-Mutter EADS. "Der Staat ist Teil des Marktes", sagte von Beust. Er könne nicht mehr nur tatenlos zusehen, wenn wichtige Unternehmen einer Stadt oder eines Landes möglicherweise in falsche Hände gerieten. Die Stadt hat sich offensichtlich eng mit der NA-Spitze abgesprochen. Eine Sprecherin des Kupferproduzenten begrüßte den Einstieg Hamburgs gegenüber dem Abendblatt ausdrücklich.
Bei der Opposition fand der Affi-Einstieg ein geteiltes Echo: "Wenn durch diese Maßnahme Arbeitsplätze erhalten bleiben und der Standort Hamburg gesichert wird, sind wir die Letzten, die etwas dagegen einzuwenden hätten. Allerdings müssen die Hintergründe dieses Geschäfts jetzt durchleuchtet werden", sagte der SPD-Wirtschaftsexperte Ingo Egloff dem Abendblatt. Es stelle sich aber die Frage, warum die Stadt nicht schon im Sommer eingegriffen habe. Auch die GAL nannte den Schritt "sinnvoll", hält die Beteiligung aber für sehr gering. Die FDP sprach von einem "ordnungspolitischen Sündenfall".



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