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Wirtschaft

Affinierie: Senat besorgt über Entwicklung bei der Traditionsfirma

Stadt kauft Aktien - für 59 Millionen

Engagement soll österreichischen Großaktionär Kovats in Schach halten. Von Beust sucht Verbündete.

Hamburg. Die Einladung kommt per Mail. Um 16.44 Uhr. Wichtigkeit: Hoch! Bürgermeister Ole von Beust, Wirtschaftssenator Gunnar Uldall und Finanzsenator Michael Freytag laden zur Pressekonferenz um 18.30 Uhr ins Hotel Royal Meridien an der Alster, achter Stock, Raum Blankenese. Die Überschrift: "Wichtige standortpolitische Entscheidung für Hamburg." Was bereits eine Stunde vor dem Termin als Gerücht bei den Journalisten die Runde machte, wird um kurz nach halb sieben zur Gewissheit: Es geht um die Norddeutsche Affinerie (NA), Europas größte Kupferhütte mit Hauptsitz auf der Veddel. Seit Monaten wird das Unternehmen von einem Machtkampf mit dem österreichischen Großaktionär Mirko Kovats kräftig durchgerüttelt. Kovats hält mittlerweile gut 13 Prozent an dem Unternehmen, will vielleicht sogar zukaufen. Und er macht der Affi auch beim geplanten Kauf des belgischen Kupferproduzenten Cumerio das Leben schwer. Die Affi plant die Übernahme von mindestens 80 Prozent an den Belgiern, Kovats hält aber über sein Unternehmen A-Tec bereits mehr als ein Viertel aller Anteile. Ein Ende des Gefechts ist nicht in Sicht.

Ole von Beust macht gestern sofort deutlich, worum es ihm geht. "Die Entwicklung bei der Norddeutschen Affinerie betrachten wir mit Sorge", beginnt er. Es handle sich immerhin um einen der wichtigsten Industriebetriebe der Stadt mit 2100 Beschäftigten allein in Hamburg. Er habe die starke Befürchtung, dass ein einzelner Großaktionär immensen Einfluss auf die NA ausüben könne. Einfluss, der womöglich nicht gut ist für die Beschäftigten des Kupferproduzenten und ihre Familien. Von Beust meint Kovats, seinen Namen nennt er aber nicht. Erst nach einer längeren Einleitung kommt von Beust auf den Fakt des Abends. Die Stadt hat sich mit fünf Prozent plus einer Aktie an der NA beteiligt. Gestern um Punkt 17.30 Uhr sei die Transaktion abgeschlossen worden. Knapp zehn Tage habe sie gedauert. Rund 59 Millionen Euro habe Hamburg für insgesamt zwei Millionen Anteilsscheine bezahlt. Als Käufer zwischengeschaltet ist die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV). Von Beust spricht zunächst von einem Engagement "ohne Risiko". Schließlich würden die Zinsen für den Kredit, den die Stadt für den Aktienkauf aufnehmen musste, aus den Dividenden der NA-Papiere bezahlt. Später relativiert er seine Aussage auf Nachfrage allerdings. Er sagt, ein "Restrisiko" bleibe selbstverständlich. Denn niemand könne mit Gewissheit sagen, wie sich der Aktienkurs künftig entwickeln werde. Doch dieses Restrisiko gehe er lieber ein, "als zu handeln, wenn es zu spät ist".

Von Beust will der Stadt nach eigenen Angaben Einfluss auf der kommenden NA-Hauptversammlung Ende Februar sichern. Denn dort wolle der Vorstand des Kupferproduzenten durchsetzen, dass wichtige Entscheidungen künftig nur noch mit einer Mehrheit von 75 Prozent der Hauptversammlung durchgesetzt werden können. Zudem werde der Aufsichtsrat neu gewählt. Zwar weiß auch von Beust, dass er mit seinem vergleichsweise kleinen Aktienpaket nicht die Geschicke der NA allein bestimmen kann. Doch die Tatsache, dass es nur wenige Großaktionäre bei der NA gibt und sich ein großer Teil der Anteile in Streubesitz befinden, geben dem städtischen Anteil durchaus Gewicht. Zudem könnte Hamburg mit anderen größeren NA-Anteilseignern wie der HSH Nordbank, die ebenfalls rund fünf Prozent an dem Kupferproduzenten halten soll, eine Allianz gegen Kovats schließen.

Welche Gefahren von dem österreichischen Großaktionär derzeit allerdings ganz konkret ausgehen - diesbezüglich bleiben der Bürgermeister und seine Senatoren an diesem Abend eher unkonkret. Sie lassen durchblicken, dass Hamburg eine Unternehmenszentrale und viele Arbeitsplätze verlieren könnte. Finanzsenator Freytag spricht zugleich von einer "modernen Industriepolitik". Schließlich investiere die Stadt in ein gesundes, hochprofitables Unternehmen und nicht in einen maroden Betrieb. Hier verweist er auch auf die städtischen Beteiligungen bei Beiersdorf und der Airbus-Mutter EADS. "Noch Fragen?", fragt von Beust nach einer guten Stunde. Niemand meldet sich. "Dann vielen Dank."

 

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