Das Software-Imperium bietet für die zweitgrößte Internet-Suchmaschine. Das Ziel: mehr Geld aus Online-Werbung.

Redmond/Sunnyvale. Es war schon lange gemunkelt worden, und der große Paukenschlag kam am Freitag: Microsoft will das angeschlagene Internetportal Yahoo schlucken. Dafür greift der Konzern aus Redmond tief in die Tasche: 44,6 Milliarden Dollar bietet er den Yahoo-Anteilseignern, die Hälfte davon in bar. Denn Microsoft will mehr sein als nur die weltgrößte Softwareschmiede: Mit Entschlossenheit und sehr viel Geld drängt das Unternehmen in den Sektor Internetwerbung vor, wo es für die kommenden Jahre neue Profitmöglichkeiten wittert. Ein Zusammengehen von Microsoft mit Yahoo, einer der führenden Marken im Internet, könnte den Markt neu ordnen.

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Es sind schwere Tage für Jerry Yang, den Gründer und Chef von Yahoo. Erst am Dienstag musste das Unternehmen einen Gewinneinbruch vermelden und kündigte den Abbau von 1000 Stellen an. Der Aktienkurs stürzte ab. Am Donnerstag verließ dann der zwischenzeitliche Konzernchef Terry Semel endgültig das Unternehmen. Der einstige Führer auf dem Gebiet der Internet-Suchmaschinen hatte Ende 2007 nur noch einen weltweiten Marktanteil von 12,8 Prozent - gegenüber 62,4 Prozent von Google. Auch im Heimatmarkt USA ist das Verhältnis ähnlich eindeutig.

Microsoft bietet für Yahoo nun viel mehr, als es derzeit noch wert ist. Das Gebot lag mit 31 Dollar pro Aktie mehr als 60 Prozent über dem Schlusskurs vom Donnerstag. Nach Bekanntwerden des Angebots schnellte der Kurs hoch. Yahoo erklärte, das Übernahmeangebot sei "nicht erwünscht", werde aber geprüft.

Microsoft will endlich mehr Anteil haben am Boom auf dem Markt für Internetwerbung. Das Geschäft mit den bunten Pop-up-Fenstern, Bannern und Flash-Animationen explodiert geradezu. Der Gigant erwartet eine Verdoppelung des Marktvolumens von 40 Milliarden Dollar 2007 auf 80 Milliarden Dollar 2010. Diese Beute soll nicht kampflos dem Rivalen Google überlassen werden. Erst kürzlich überraschte Microsoft-Chef Steve Ballmer mit der Ankündigung, dass sein Konzern in einigen Jahren 25 Prozent seines Umsatzes mit Internet-Werbung machen will. Der Markt sei "zunehmend von einem Akteur dominiert", hieß es in Microsofts Begründung für das Übernahmeangebot.

Die Neuorientierung des Riesen aus Redmond im US-Bundesstaat Washington dürfte den Markt durcheinander wirbeln. Analysten beobachten schon seit längerem, wie Microsoft fieberhaft nach neuen Betätigungsfeldern sucht. Bislang stammen seine Einnahmen zu mehr als 80 Prozent aus dem Verkauf der Software-Programme Windows und Office. Diese Einseitigkeit birgt Risiken: Konkurrenz droht von Gratis-Software im Internet, wie sie etwa Google seit kurzem anbietet. Microsoft will nicht eines Tages als verblassender Komet am High-Tech-Himmel verglühen - so, wie es Yahoo ergeht. Inzwischen hat Microsoft sein Internetportal MSN kräftig aufgemöbelt, hat einen Anteil am TV-Nachrichtensender MSNBC, vertreibt die populäre Spielmaschine Xbox und den iPod-Konkurrenten Zune.

Doch mit dem Geldverdienen im Internet tut sich der IT-Riese schwer. In der Boombranche Online-Werbung ist Microsoft auf dem Markt bislang weit abgeschlagen hinter Google. Nach Berechnungen des Analysten e-Marketer kam Microsoft im vergangenen Jahr auf dem US-Markt nur auf 1,3 Milliarden Dollar Umsatz. Gemeinsam mit Yahoo (3,6 Milliarden Dollar Umsatz) könnte es den Abstand zu Google verringern, das 6,2 Milliarden Dollar Umsatz erzielte.

"Wir haben großen Respekt für Yahoo", erklärte Microsoft-Chef Steve Ballmer. "Zusammen können wir immer spannendere Lösungen für Verbraucher, Inhalteanbieter und Werbekunden bieten." Als kurzfristigen Effekt verspricht er sich Einsparungen von einer Milliarde Dollar jährlich. Bis der mögliche Kaufpreis für Yahoo wieder eingespielt ist, dürfte es aber ein paar Jahre dauern.bob/HA