Anrufbeantworter automatisch geschaltet. Beschwerden häufen sich. Telekom will nichts ändern.
Hamburg. Es gibt Dinge in der Telekommunikationswelt, die könnten wirklich praktisch sein. Dazu gehört die T-Net-Box der Deutschen Telekom. Der virtuelle Anrufbeantworter, der bei allen aktuellen Tarifen des Bonner Konzerns automatisch geschaltet ist, kostet nichts, er verbraucht keine Energie - und verstauben kann er schon gar nicht.
Weniger praktisch ist diese "Komfortfunktion" allerdings, wenn der Kunde gar nicht weiß, dass er sie hat - oder wenn er sie gar nicht haben will und nicht weiß, wie er sie wieder loswird. Fragt man im Bekanntenkreis nach und schaut in einschlägige Internetforen, gibt es gerade unter älteren Semestern viele, die ihre Probleme mit der T-Net-Box haben. Kein Wunder: Eine mehrseitige Bedienungsanleitung, in der Begrifflichkeiten wie "Keypad-Funktion", "Multiple Subscriber Number" (MSN) und "Off-Call-Rufnummer" vorkommen, schreckt schnell ab.
So etwa Wilhelm und Ingrid Schulze aus Lauenburg (Namen geändert). Als sie ihren Internettarif bei der Telekom auf eine Flatrate umstellten, klingelte plötzlich ständig ihr Telefon und teilte mit, dass es neue Nachrichten gebe. Dabei hatten die über 80-Jährigen doch ihren normalen Anrufbeantworter, der auf einmal merklich still wurde. Die T-Net-Box hatte alle Anrufe in Abwesenheit und auch bei Besetztzeichen abgefangen - und die Schulzes, die davon nichts wussten, waren genauso irritiert wie ihre Anrufer. "Das ist ein Zwangsanrufbeantworter, den wir nicht wollten. Ich musste extra zum T-Punkt-Laden gehen, um ihn abstellen zu lassen", ärgert sich Wilhelm Schulze.
Wie viele Kunden die T-Net-Box haben, kann die Telekom nicht sagen. "Es sind Millionen, denn bei allen Kunden, die einen unserer neuen Tarife gebucht haben, wird sie automatisch aktiviert", sagt Konzernsprecher Frank Domagalla dem Abendblatt. Da viele Bestandskunden inzwischen auf eines der Kombipakete aus Festnetztelefonie und DSL gewechselt sind, steigt die Zahl der T-Net-Nutzer ständig an. Laut der Privatkundenseite t-home.de ist die T-Net-Box in allen Call & Surf-, Call Time-, Call Plus- und XXL-Tarifen enthalten sowie in ISDN-Anschlüssen und dem Tarif Standard 100.
Aus Sicht des Unternehmens haben die Kunden "keine Probleme mit der Sprachbox", so der Telekom-Sprecher. "Falls doch Fragen auftreten, geben wir in unserer kostenlosen Hotline, im Internet und in den T-Punkt-Läden Antworten." Die Telekom sehe keine Veranlassung, den Anrufbeantworter nicht standardmäßig anzuschalten, sagt Domagalla: "Die Kunden können ihn ja jederzeit deaktivieren."
Die 74-Jährige Elfriede Hänsel ist dabei allerdings lange "auf Granit gestoßen", erinnert sich die Hamburgerin. Nach einem Umzug und der Ummeldung ihres Anschlusses meldete sich plötzlich laufend die T-Net-Box. Hänsel konnte mit der Computerstimme nichts anfangen. Erst als ihre Tochter fragte: "Wieso hast du denn plötzlich einen Anrufbeantworter?", wurde ihr die T-Net-Box bewusst. Mehrfach rief sie bei der Hotline an, doch erst nach vielen Nachfragen gab die Computerstimme Ruhe. "Es ist eine Frechheit, dass alte Leute gezwungen werden, sich mit Zahlencodes und Dingen wie der T-Net-Box zu beschäftigen", sagt Hänsel.
"Für technikaffine Kunden ist die T-Net-Box eine gute Sache", sagt der Telekommunikationsexperte Thorsten Neuhetzki von teltarif.de. Man könne damit auch Faxe empfangen (Faxfunktion monatlich 1,05 Euro) und von anderen Anschlüssen oder dem Handy eingegangene Nachrichten - über eine kostenpflichtige 01805-Nummer - abrufen. Allerdings komme sicherlich nicht jeder mit dem Bedienmenü und der Deaktivierung klar. "Zudem ist zu bezweifeln, dass Kunden, die ihren Tarif wechseln, immer von der Telekom darauf hingewiesen werden, dass sie die T-Net-Box bekommen", so Neuhetzki.
Für den Bonner Konzern ist der Anrufbeantworter offenbar eine zu gute Einnahmequelle, als dass sie ihn standardmäßig ausstellt. Denn wenn er anspringt, entstehen für den Anrufer auf Gebühren, die zum Teil bei der Telekom landen.
Zu der "nie endenden Geschichte" schreibt ein anonymer Telekom-Techniker aus Leipzig im Internetforum der Gewerkschaft Ver.di: "Bei allen neuen Anschlüssen wird die Box automatisch eingeschaltet und die Kunden dann bis in die Nacht von derselben terrorisiert. Besonders toll bei älteren Menschen. Die wissen überhaupt nicht, was los ist, und sind manchmal völlig verunsichert. Auf Kritik zu diesem Thema fällt unserem Management nur ein zu sagen, dass durch diese Praxis Einnahmen entstehen, auf die man nicht verzichten will. (. . .) Wer aber zählt die unzufriedenen Kunden, die aufgrund dieser Problematik zu einem anderen Anbieter wechseln oder ihren Auftrag zurückziehen? Wer kontrolliert, wie viele Anrufe an den Hotlines der Telekom ankommen, wo die Kolleginnen und Kollegen die Kunden dann beruhigen müssen?"











