Dienstag, 14. Februar 2012, 15:14

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Wirtschaft

Proteste: Demo in Rotterdam - zwei Werke in Deutschland dicht?

Unilever: Furcht um Jobabbau

Betriebsrat klagt über desolate Informationspolitik des Konzerns. Unternehmen will sich nicht äußern.

Hamburg. Günter Baltes ist bereits seit 37 Jahren beim britisch-niederländischen Konsumgüterriesen Unilever. "Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte der Vorsitzende des europäischen Unilever-Betriebsrates gestern in Hamburg. Baltes bezieht sich auf das Verhalten des Managements im Zusammenhang mit dem Abbau von 20 000 Stellen bis 2010. "Am 2. August wurde diese Info in den Ring geworfen. Seither erfahren wir nur häppchenweise, was das Unternehmen vorhat." Alles werde zentral geplant, selbst die Chefs in den einzelnen Unilever-Ländern würden nicht informiert, so Franz-Josef Möllenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG).

Bekannt wurde bislang unter anderem, dass das Unilever-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter der Führung von Deutschland-Chef Henning Rehder zusammengelegt werden soll. Welche Auswirkungen dies auf den Unilever-Standort Hamburg haben wird, ist noch offen. "Bei der Zusammenlegung von Unilever Frankreich, Niederlande und Belgien wurden 340 Arbeitsplätze gestrichen", sagte Baltes. Und mit Blick auf Hamburg: "Derzeit arbeiten in der Unilever-Zentrale 1400 Menschen, die geplante, neue Hauptverwaltung in der HafenCity ist aber nur für rund 1000 Beschäftigte ausgelegt."

Bekannt geworden sei inzwischen, dass drei Werke in den Niederlanden geschlossen werden sollen. Zudem plane der Konzern, die Belegschaft in je einem Werk in Frankreich und Spanien um die Hälfte zu reduzieren und drei Fabriken in Großbritannien zu restrukturieren. Für den deutschen Markt fürchtet Baltes, dass je ein Pfanni- und ein Bifi-Werk verkauft werden könnten, weil sich Unilever möglicherweise von den Marken Pfanni, Bifi und Mondamin trennt.

"Wenn das Management nicht in der Lage ist, uns kurzfristig mitzuteilen, was geschehen wird, wird es Maßnahmen wie Demonstrationen an den Produktionsstätten und in der Hauptverwaltung geben", sagte Möllenberg. Der Auftakt ist bereits heute, wenn sich die europäischen Betriebsräte zum Protest vor der Unilever-Zentrale in Rotterdam treffen. "Wir fordern eine klare Perspektive für Europa und einen respektvollen Umgang des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern", so Baltes. Das Unternehmen selbst wollte sich gegenüber dem Abendblatt nicht zu Details des Sparplans äußern.

Unilever schrumpft bereits seit Jahren. Durch Verkäufe von Marken wie Iglo oder Livio und der gesamten Kosmetiksparte sowie durch die Ausgliederung von mehr als 2000 Arbeitsplätzen aus Servicebereichen wie Buchhaltung oder Personalwesen gingen seit 1982 drei von vier Arbeitsplätze des Konzerns in Europa verloren. "1982 beschäftigte Unilever in Europa noch 190 000 Menschen, heute sind es 48 000", so Möllenberg. 6100 Mitarbeiter sind in Deutschland beschäftigt.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus