Dienstag, 14. Februar 2012, 14:24

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Wirtschaft

Vorbild "eiserner Fritz"

Sparen im Juliusturm - heute wie ein Märchen

Hamburg. Es war einmal . . . Das klingt nach einem Märchen, ist aber keines. Es war einmal, dass dieses Land einen Bundesfinanzminister hatte, der weniger Geld ausgab, als er einnahm. Er war nicht etwa ein Gaukler oder ein älterer Wunderknabe, er war schlicht ein eiserner Sparer: Fritz Schäffer, acht Jahre Konrad Adenauers erster Herr des Geldes, an dem die finanziellen Begierden seiner Kabinettskollegen scheiterten. Schäffers Prinzip lautetet: Ein sparsamer Staat müssen wir sein, jeder Pfennig, der nicht unbedingt ausgegeben werden muss, kommt auf die hohe Kante. Seine Bewunderer nannten das eine Politik des "Juliusturms". In diesem Turm der alten Spandauer Zitadelle am Rande Berlins wurde einst die französische Kriegsentschädigung von 1870/71 bis 1914 aufbewahrt, 120 Millionen Mark in Gold. Adenauers Pfennigfuchser brachte es bis zum Herbst 1956 auf ein Guthaben von sieben Milliarden Mark, seine eiserne Reserve für schwierige Zeiten. Wer von Schäffers Gespartem etwas zum Ausgeben haben wollte, wurde schneidig abgespeist: "Der Weg zur Inflation führt nur über meine Leiche." Auch Adenauer holte sich bei seinem "eisernen Fritz" blaue Flecke. "Machen Sie doch mal eine Politik der offenen Hand, Herr Dr. Schäffer", forderte der Alte 1953. Prompt kam die Abfuhr. Dann müsse erst mal "was drin sein in der Hand". Nach Schäffer kamen 15 Bundesfinanzminister. In der Lebenseinstellung ihm am ähnlichsten ist der heute amtierende Hans Eichel. Schäffer verlangte von seiner Frau, niemals "50 Pfennig Schulden zu machen". Eichel kauft bei "Aldi" ein und Krawatten im Schlussverkauf. Nur beim Sparen der Staatsfinanzen warten wir noch auf Schäffers Drohung auch aus Eichels Mund: "Nur über meine Leiche."

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus

Weiterführende Links