Anlage: Sparer ziehen vier Milliarden Euro ab
Geldmarktfonds machen Verluste
Bis zu sechs Prozent Minus seit Jahresbeginn. US-Hypothekenkrise wirkt sich aus. Anlagerisiko unterschätzt. Alternative Tagesgeld.
Hamburg. Eine sicher geglaubte Geldanlage entpuppt sich als Verlustbringer. Jeder fünfte Geldmarktfonds hat im August Minus gemacht. Einige Fonds weisen nicht nur auf Monatssicht, sondern auch bezogen auf das laufende Jahr ein dickes Minus auf - bis zu sechs Prozent. Die Fonds haben in Papiere investiert, die von der US-Hypothekenkrise indirekt betroffen sind. Ein Handel dieser Papiere ist kaum noch möglich. "Es hat sich gezeigt, dass manche Geldmarktfonds nicht ohne Risiko sind", sagt Natalia Wolfstetter vom Fondsanalysehaus Morningstar.
Inzwischen haben das auch die ersten Anleger erkannt und die Notbremse gezogen. 4,2 Milliarden Euro zogen sie im August aus Geldmarktfonds ab. Experten rechnen damit, dass sich dieser Trend im September fortgesetzt hat. Geldmarktfonds sind innerhalb der Investmentfonds die beliebteste Anlageform. 28 Milliarden Euro wurden im laufenden Jahr investiert.
Nicht ausgeschlossen, dass viele Sparer noch gar nicht erkannt haben, wie ihr Geldmarktfonds ins Minus gerutscht ist. Zwar fließen den Fonds aus den investierten Wertpapieren weiterhin Zinsen der Schuldner zu, aber diese Zuflüsse reichen bei manchen Fonds wie dem Cominvest Short Term Plus P nicht aus, die Kursverluste auszugleichen. Der Fonds hat im laufenden Jahr rund ein Prozent verloren, auf Sicht von sechs Monaten 1,4 Prozent.
Kein Einzelfall: Betroffen sind Fonds, die forderungsbesicherte Wertpapiere, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), beigemischt haben oder überwiegend in diese Papiere investieren. Hinter diesen Papieren stehen Forderungen aus Hypothekenkrediten, Konsumentenkrediten oder Leasingsverträgen. Selbst wenn es nicht um US-Hypotheken geht, leiden diese Papiere unter Kursabschlägen und eingeschränkter Handelbarkeit.
In Zeiten niedriger Zinsen hatten die Fondshäuser solche Produkte aufgelegt, um den attraktiven Tages- und Festgeldangeboten der Banken etwas entgegenzusetzen. Das höhere Risiko wurde dabei kleingehalten. Ob die Anleger immer richtig beraten wurden, stehe auf einem anderen Blatt, sagt Wolfstetter. "Bezeichnungen wie Rendite plus oder extra deuten meist auf eine Beimischung mit ABS-Papieren hin", sagt sie. Ein Beispiel ist der Deka-EuroFlex Plus, der überwiegend in ABS investiert. "Wer ganz sicher gehen will, sollte sich beraten lassen oder den Prospekt lesen", rät Wolfstetter.
Inzwischen machen Fondsmanager Anlegern Hoffnung auf eine Besserung der Lage zum Jahresende. "Der Markt für Triple A Papiere hat sich gefangen", sagt Stefan Lachhammer von Cominvest. Probleme gibt es allerdings noch mit Papieren, die nicht mit diesem Spitzenrating glänzen können. "Ich gehe davon aus, dass sich auch der Markt für Papiere unterhalb dieser Ratingklasse in den nächsten Wochen verbessern wird." Dafür sprechen, dass die europäischen verbrieften Forderungen nicht in dem Maße von Kreditausfällen betroffen sind wie US-Hypothekendarlehen. Eine robuste Konjunktur und ein positives Umfeld unterstreichen das. Aufgrund der gesunkenen Kurse der Papiere und der hohen und stabilen Ausschüttungen werden sie auch für institutionelle Anleger wieder interessant.
So soll sich bei den ABS-Papieren die Spreu vom Weizen trennen und ein normaler Handel wieder möglich werden. "Wir rechnen mit einer verstärkten Differenzierung zwischen verschiedenen Verbriefungsarten in Europa und den USA", sagt Fondsmanager Brian McCarthy von der Deka-Bank. Beide Fondsmanager hoffen, dass sie bis zum Jahresende wieder eine positive Wertentwicklung ihrer Fonds hinbekommen.
Schlechter sind Anleger dran, die in reine ABS-Fonds investiert haben. Sie müssen sich mit den größten Wertverlusten abfinden oder kommen gar nicht mehr an ihr Geld. Einige Fonds sind schon seit August geschlossen. "Diese Situation wird bis mindestens Januar nächsten Jahres Bestand haben", sagt Thomas Kalisch von Frankfurt Trust. Die Gesellschaft hatte den FT ABS-Plus im August geschlossen.
Anleger, die auf klassische Geldmarktfonds gesetzt haben, müssen zwar keine Verluste befürchten, die Wertentwicklung ist aber auch eher enttäuschend. "Das liegt daran, dass diese Fonds Kosten verursachen und auch länger laufende Papiere haben, die bei einem Zinsanstieg Kursverluste erleiden", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wer jetzt erst merke, dass der Geldmarktfonds nicht zu seiner Risikobereitschaft passt, sollte sich daraus verabschieden. "Denn niemand weiß, was noch kommt." Eine Alternative zu Geldmarktfonds sind Tagesgeldkonten der Direktbanken. Drei bis vier Prozent sind hier drin.



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