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Wirtschaft

Lichtblick: Heute Startschuss

Hamburger bieten Biogas im Norden an

Preis konkurrenzfähig gegenüber Angebot des Marktführers. Neue Ökoenergie sorgt aber auch für Proteste von Anwohnern.

Hamburg. Der Hamburger Ökostromlieferant Lichtblick bietet ab heute erstmals Privatkunden in fünf Bundesländern einen Mix aus Erd- und Biogas an und will so den großen Energieversorgern Konkurrenz machen. Zwar gibt es bereits zahlreiche Kommunen und Betriebe, die ihren Energieverbrauch mit Biogas decken, aber dabei handelt es sich stets um sogenannte Insellösungen. Die Kommunen haben extra Biogasanlagen gebaut, die nur eine begrenzte Menge Gas für eine geringe Anzahl von Kunden liefern können. Lichtblick will jedoch bereits im ersten Schritt in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg und später bundesweit antreten. "Damit sind wir die ersten überregionalen Biogasanbieter", sagte Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz dem Abendblatt.

Beim Tarif sieht sich das Hamburger Unternehmen als konkurrenzfähig mit den Angeboten der Energiekonzerne. Der monatliche Grundpreis liegt bei 9,90 Euro, pro Kilowattstunde werden zudem 6,25 Cent fällig. Der Hamburger Marktführer E.on Hanse verlangt im vergleichbaren Vario-Gas-Tarif je nach Verbrauchsmenge einen Grundpreis von 10,71 bis 14,28 Euro und einen Arbeitspreis zwischen 5,322 und 5,544 Cent.

Lichtblick-Gas enthält derzeit allerdings nur einen fünfprozentigen Anteil an Biogas. Mehr sei noch nicht möglich, da die gewünschten Mengen mangels verfügbarer Biogasanlagen bisher nicht geliefert werden können. "Wir stehen hier vor einer ähnlichen Situation wie beim Ökostrom vor 15 Jahren", so von Tschischwitz. "Auch damals gab es sehr geringe Kapazitäten, die nur einen kleinen Prozentsatz zum Gesamtmix beitrugen." Je mehr Kunden jedoch Biogas verlangen, umso schneller könne die Zahl der Anlagen zunehmen.

In Deutschland gibt es bereits mehr als 3500 meist kleinere Biogasanlagen. Wurde die ökologische Form der Energieerzeugung über Jahre als Alternative gefeiert, regt sich derzeit erstmals Widerstand gegen die Anlagen. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo es traditionell viele Baugebiete für Biogasanalgen gibt, fürchten Anwohner Beeinträchtigungen. Im mecklenburgischen Suckow demonstrierte jüngst sogar das ganze Dorf gegen eine geplante Anlage. Die Bewohner fürchten zunehmenden Lkw-Verkehr und Geruchsbelästigungen. Denn Biogas entsteht durch Fäulnis, etwa von Getreide.

Die Anlage, von der Lichtblick Biogas bezieht, steht in Jüterborg, etwa 50 Kilometer südwestlich von Berlin. Eigentümer ist das Hamburger Solarunternehmen Conergy. Das Biogas wird aus Maissilage und Gülle erzeugt, anschließend gereinigt und aufbereitet und danach in das Erdgasnetz eingespeist. "Es entstehen keine Gerüche", verspricht von Tschischwitz. Auch überregionale Lkw-Fahrten gebe es nicht. Die Anlage werde ausschließlich von Landwirten aus der Nachbarschaft beliefert.

Lichtblick, mit mehr als 330 000 Kunden bereits größter konzernunabhängiger Stromanbieter, hofft mit dem Biogas an den Erfolg beim Verkauf von Ökostrom anknüpfen zu können. "Vielleicht schaffen wir die ersten 50 000 Kunden schon innerhalb des ersten Jahres", sagt von Tschischwitz. Die politischen Rahmenbedingungen nähren seine Erwartungen. Schließlich will die Bundesregierung bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent steigern und damit den CO2-Ausstoß drastisch senken. Und Biogas erzeugt keine CO2-Emissionen.

 

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