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Wirtschaft

Aktien: US-Hypothekenkrise lässt internationale Börsen zittern - Notenbanken pumpen Geld in den Markt

Riskante Deals stürzen Welt in Turbulenzen

Welche Folgen haben die Vorgänge in den USA für Wirtschaft und Anleger? Wichtige Fragen.

Hamburg

Die Krise am US-Hypothekenmarkt zieht weite Kreise: Kursverfall an den Börsen, ständig neue Gerüchte um Schieflagen bei Banken, Liquiditätskrise, erste vorübergehende Schließungen von Geldmarkt- und Rentenfonds. Die Zentralbanken pumpen Geld in den Finanzkreislauf, um Engpässe bei der Geldversorgung zu überbrücken. Wie gefährlich ist die Lage? Das Abendblatt hat Experten befragt.

Wie kam es zur Krise?

Jahrelange Preissteigerungen am US-Immobilienmarkt bewegten die Banken zu einer lockeren Kreditvergabe: Ohne Eigenkapital und mit niedrigen, aber variablen Zinsen konnten sich selbst Geringverdiener ein Eigenheim leisten. Für die Banken war das Risiko zunächst gering. Von 2000 bis 2005 stiegen die Immobilienpreise in den USA jährlich um zwölf Prozent. Nach vier Jahren wurde so aus einer risikobehafteten Vollfinanzierung (Beleihungsgrenze 100 Prozent) eines Hauses im Kaufpreis von 200 000 Dollar ein erstklassiger Hypothekenkredit mit einer Beleihungsgrenze von 60 Prozent. Solche Kredite ließen sich gut in speziell strukturierte handelbare Wertpapiere verpacken und weiterverkaufen. Als die Immobilienpreise fielen, die Zinsen stiegen und erste Immobilienbesitzer ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, wurde offenbar, welche hochriskanten Geschäfte hier betrieben und durch den Weiterverkauf weltweit gestreut wurden.

Wie erreichte die Krise Europa?

Die Verbriefung von Kreditforderungen und das internationale Agieren der Banken hat die US-Krise nach Europa gebracht. Verbriefen lässt sich alles, was regelmäßige Einnahmen bringt, nicht nur schlecht besicherte Hypothekenkredite: Forderungen von Unternehmen, Autokredite, Leasingverträge, Forderungen auf Kreditkarten und so weiter. Die Forderungen werden aus der Bilanz der Bank ausgegliedert und auf eine andere Gesellschaft übertragen. Diese begibt Anleihen, die bei Investoren auch in Europa wegen der höheren Zinsen sehr beliebt sind. Als Sicherheit dienen die Kredite. "Durch Splittung und Aufteilung der Kredite lassen sich die Risiken gut verstecken", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum. "Durch spezielle Konstruktionen war es möglich, dass der Anleihekäufer einen höheren Effektivzins erhielt als der Kreditnehmer gezahlt hat. Auf Dauer kann das natürlich nicht gut gehen."

Was ist eine Liquiditätskrise?

Geld verleihen gehört zum Kerngeschäft der Banken, auch untereinander. In der Krisensituation wollen Banken aber eher Liquidität horten. Kein Institut will sein Geld an eine Bank verleihen, die möglicherweise noch Probleme mit den faulen Krediten aus den USA bekommen wird. Der Zins am Geldmarkt stieg deshalb bis auf 4,7 Prozent. Eine kleine Entspannung brachte, dass Notenbanken den Geschäftsbanken zusätzlich Geld bereitstellten.

Die Lage der deutschen Banken?

"Eine Krise der deutschen Banken sehe ich nicht", sagt Gerke. "Aber einige Institute werden in erhebliche Ertragsschwierigkeiten kommen." Die Lage könne entschärft werden, wenn schnell alle Beteiligungen der deutschen Banken an minderwertigen US-Hypotheken (Subprime-Sektor) auf den Tisch kommen, sagt Wolfgang Pflüger, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Spätestens im Oktober müssen die Banken mit den Quartalszahlen ohnehin Farbe bekennen." Solange kann sich die Krise also noch hinziehen.

Auswirkungen auf die Wirtschaft?

Darüber, ob die Krise Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird, sind die Experten uneins. "Die Krise wird in den USA und mit Abstrichen auch im Euro-Raum das Wirtschaftswachstum drücken", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Betroffen seien vor allem die Bauinvestitionen und der Konsum. Im Ergebnis der Finanzkrise muss mit einer eingeschränkten Kreditvergabe gerechnet werden. "Der deutsche Mittelstand wird das zuerst zu spüren bekommen", so Gerke. Dem hält Bernd Schimmer von der Haspa entgegen: "Der Mittelstand wird in erster Linie von Sparkassen und Volksbanken finanziert, also Instituten, die sich nicht bei den Subprime-Geschäften engagiert haben. Ein Übergreifen auf die Realwirtschaft sehe ich nicht." Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung sei zudem im ersten Halbjahr in Europa größer gewesen als in den USA. Dort müsse die Wirtschaft allerdings mit einem deutlichen Dämpfer rechnen, wenn die Konsumlust der Amerikaner nachlässt. "Dazu wäre es auch ohne die Krise bekommen", so Pflüger.

Warum schließen Fonds?

Viele dieser Fonds haben ABS-Papiere beigemischt, um die Rendite aufzupeppen. Das sind forderungsbesicherte Anleihen. Diese Papiere sind aufgrund der Finanzkrise schwer handelbar, auch wenn sie nichts mit der US-Hypothekenkrise zu tun haben und über ein erstklassiges Rating verfügen. Damit bei Rückgabewünschen der Anleger Papiere des Fonds nicht unter Wert verkauft werden müssen, haben Gesellschaften wie Frankfurt Trust, Oppenheim oder Union Investment Fonds vorübergehend geschlossen. Anleger hatten zuvor aus Angst um ihr Geld massiv Fondsanteile zurückgegeben.

 

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