Tarifstreit: Gestern Verhandlungen: Bahn erhöht Angebot auf 3,4 Prozent
Lokführer wollen wieder streiken
Gewerkschaft der Zugführer beharrt auf eigenem Vertrag: Wieder sollen Züge stillstehen.
Hamburg/Frankfurt/Berlin. Bei der Deutschen Bahn stehen die Zeichen trotz eines verbesserten Tarifangebots weiter auf Streik. Das Unternehmen stockte gestern das Lohnangebot für die 134 000 Beschäftigten auf 3,4 Prozent von bisher zwei Prozent auf. Die beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA kehrten daraufhin an den Verhandlungstisch zurück.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) dagegen besteht auf einem getrennten Tarifvertrag für das Zugpersonal und deutlich höhere Lohnsteigerungen von bis zu 31 Prozent. Das gestrige Spitzengespräch der GDL mit Bahnchef Hartmut Mehdorn in Frankfurt hat bei diesen Themen noch keine Annäherung gebracht.
Die Gewerkschaft, die drei Viertel der 20 000 Lokführer vertritt, kündigte daher weitere Warnstreiks an. "Ab nächster Woche Montag ist alles möglich", sagte GDL-Bezirksleiter Norbert Quitter mit Blick auf die Arbeitsniederlegungen. Nach Informationen des Abendblatts werden auch die Hamburger sehr wahrscheinlich mit einem beeinträchtigten Zug- und S-Bahn-Verkehr rechnen müssen. Am Dienstag hatten die Lokführer mit einem vierstündigen Ausstand den Bahnverkehr bundesweit teilweise zum Erliegen gebracht. In Hamburg war auch die S-Bahn als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Deutschen Bahn bestreikt worden.
Am Freitag kommender Woche (13. Juli) will die Bahn dann erneut mit den Lokführern sprechen. Bahn-Verhandlungsführer Werner Bayreuther kündigte für diesen Termin ein eigenes Angebot für die Lokführer an. Einzelheiten könne er noch nicht nennen. Einen getrennten Tarifvertrag werde es nicht geben. "Die grundsätzliche Position der Tarifeinheit bei der Bahn wird sich nicht ändern", sagte er.
Die GDL argumentiert bei ihrer Lohnforderung und dem gewünschten eigenen Tarifvertrag mit der aus ihrer Sicht stärkeren Arbeitsbelastung und höheren Verantwortung der Lokführer.
"Wir reden nicht über Prozente, sondern über die tatsächlichen Summen. Wir wollen von einer miesen Bezahlung von 1500 Euro netto im Monat wegkommen und fordern deshalb 2500 Euro brutto Anfangsgehalt für die Lokführer", sagte GDL-Chef Manfred Schell. Lokführer verdienten brutto zwischen 1980 Euro und 2142 Euro plus bis zu 300 Euro Zuschläge für Nacht- und Sonntagsdienste.
Die Gewerkschaften Transnet und GDBA, die gemeinsam für verbesserte Löhne und Arbeitsbedingungen von Lokführern, Zugbegleitern und anderen Bahn-Angestellten und -Beamten kämpfen, nannten die verbesserte Bahnofferte zwar noch unzureichend. Sie sei aber eine brauchbare Verhandlungsgrundlage. Die Bahn will jetzt die Löhne vom 1. Januar 2008 bis Mitte 2009 um einheitlich 3,4 Prozent aufstocken. Zudem werde eine Einmalzahlung von 450 Euro angeboten, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale in Berlin. Die Juristin, die nach Studium in Hamburg und St. Gallen und Berufserfahrungen bei Mobil Oil 1997 zur Deutschen Bahn gekommen war, fügte hinzu, die Wochenarbeitszeit solle sich um eine Stunde auf 40 Stunden bei entsprechendem Lohnzuschlag erhöhen. Das neue Bahnangebot sieht eine Laufzeit von 24 Monaten ab Juli 2007 vor. Das Unternehmen will so verhindern, dass schon während des geplanten Börsengangs im nächsten Jahr erneut ein Tarifstreit droht. Die Verhandlungen wurden gestern auf Sonntag vertagt.
Transnet und GDBA fordern 7,0 Prozent mehr Entgelt oder mindestens 150 Euro im Monat. GDL-Chef Schell schloss nicht aus, dass es auch innerhalb eines Tarifvertrags für alle Bahnangestellten zu unterschiedlichen Gehaltsstufen für Lokführer, Zugpersonal und andere Bedienstete kommen könnte. Den Verzicht auf einen separaten Lokführer-Tarifvertrag müsse dann die Generalversammlung der GDL billigen. Bisher lehnen aber die Bahn wie auch Transnet und GDBA unterschiedliche Lohngruppen ab.
















