Zigaretten: Schmuggler erzielen Milliardenumsatz - schärfere Kontrollen gefordert
Tabakriese BAT unter Druck
Niedrigerer Zigarettenabsatz durch Rauchverbot in Kneipen erwartet. Marktanteil sinkt.
Hamburg. Der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) rechnet durch die geplanten Rauchverbote in Gaststätten mit Absatzrückgängen. "Der Verkauf von Zigaretten in Deutschland könnte insgesamt um zwei Prozent zurückgehen", sagte der deutsche Marketingchef Andrew Schwager gestern in Hamburg.
Bereits im ersten Quartal dieses Jahres geriet der Zigarettenabsatz des Tabakriesen (Lucky Strike, Pall Mall) durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Einführung eines Altersnachweises an allen Zigarettenautomaten unter Druck. BAT Deutschland setzte mit 4,9 Milliarden Zigaretten rund 100 Millionen Stück weniger ab als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Marktanteil der deutschen Nummer zwei sackte auf 22,6 Prozent ab, nachdem er im Jahr 2006 noch um einen Prozentpunkt auf 24,6 Prozent gestiegen war.
Ein immer größeres Problem für die Tabakindustrie stellt der Schmuggel dar. Im vergangenen Jahr sind laut BAT-Schätzung rund 24 Milliarden Zigaretten nicht in der Bundesrepublik versteuert worden - ein Plus von 31 Prozent. Rund 70 000 Kriminelle erzielten mit den illegalen Glimmstängeln einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.
Im laufenden Jahr ist nach Einschätzung des Konzerns mit einem weiteren Anstieg des Schmuggels um ein Viertel zu rechnen. "Wir müssen der Zigaretten-Mafia das Handwerk legen", verlangte daher Unternehmenssprecher Peter Halacz. Zu den konkreten Forderungen zählen verstärkte Grenzkontrollen, mehr Personal bei Zoll und Justiz, höhere Strafen auch beim Schmuggel kleinerer Mengen und die Ausweitung der Kommunikationsüberwachung bei Gesprächen mit Ländern wie China, der Ukraine und Tschechien. Schon BAT-Konkurrent Reemtsma hatte vor Monaten Zoll und Polizei kritisiert, weil sie nicht energisch genug gegen Zigarettenschmuggler vorgingen.
Im vergangenen Jahr konnte sich BAT trotz des wachsenden Schmuggels und der Reglementierungen im deutschen Markt noch vergleichsweise gut behaupten. Die deutsche Organisation verkaufte im Inland unverändert 22,9 Milliarden Fabrikzigaretten. Im Feinschnittbereich, wo nach dem Auslaufen der sogenannten Singles oder Sticks der Markt teilweise neu verteilt wurde, konnte BAT mit der Marke Pall Mall hohe Marktanteile erreichen.
Der Umsatz ohne Steuern stieg insgesamt um 3,9 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, was vor allem auf verstärkte Exporte zurückzuführen war. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich zwar deutlich von 154 auf 206 Millionen Euro, dies war allerdings überwiegend auf den Verkauf von Markenrechten an den ärgsten Konkurrenten Philip Morris zurückzuführen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verringerte sich hingegen leicht auf 282 Millionen Euro.
Die Zahl der Mitarbeiter sank 2006 um 87 auf 1714. Rund 500 Beschäftigte hat BAT derzeit noch am Hauptsitz Hamburg. Sollte die negative Absatzentwicklung in diesem Jahr anhalten, könnte es nach den großen Umstrukturierungen der vergangenen Jahre erneut zu einem Abbau von Stellen kommen, hieß es gestern aus Unternehmenskreisen. Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht. Am Produktionsstandort Bayreuth sei die Lage stabil.
Die Deutschland-Zentrale von BAT sitzt im Augenblick in einem Hochhaus am Millerntor, weil das eigentliche Hauptgebäude an der Außenalster gerade renoviert wird. BAT hat die Immobilie vor einiger Zeit verkauft und wieder zurückgemietet. Die Immobilienpreise in Hamburg seien dafür ideal gewesen, hieß es.




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