Die Zahl der Eheschließungen ist zwar rückläufig. Doch das Geld für Kleider, Ringe und Flitterwochen sitzt dennoch locker.

Hamburg. Der Wonnemonat Mai hat wieder einmal besonders viele verliebte Paare vor den Traualtar gelockt. Doch das Geschäft mit dem Jawort ist nicht nur romantisch, sondern für viele Firmen, Händler und Gastronomen auch lukrativ. So hat die gesamte Hochzeitsindustrie im vergangenen Jahr rund 1,8 Milliarden Euro umgesetzt - nur für Braut-, Bräutigamausstattung und das Fest. Dazu kommen weitere Ausgaben für Hochzeitsreisen, Geschenke und Junggesellenabschiede.

Zwar nimmt die Zahl der Eheschließungen in Deutschland seit fast 20 Jahren ab, doch die Paare lassen sich ihr individuelles Fest immer mehr kosten. 2006 fanden 373 174 Eheschließungen deutschlandweit und 6947 in Hamburg statt, 1988 gaben sich dagegen noch 534 903 Paare das Jawort. Ein wichtiger Grund für diese rückläufige Entwicklung: Partnerschaften ohne Ring am Finger werden immer selbstverständlicher. Und dennoch bleibt der Gesamtumsatz rund um den "schönsten Tag im Leben" konstant. "Der Stellenwert einer Hochzeit nimmt kontinuierlich zu", sagt Jutta Ingala, Sprecherin der Schmuckmanufaktur Niessing. "Im Bereich Trauringe registrieren wir einen wachsenden Markt qualitätsbewusster Käufer." Das seit 1873 bestehende Unternehmen macht 50 Prozent seines Umsatzes mit Eheringen. Zunehmend werden hochwertige Materialien und besondere Designs verlangt. Dazu komme eine wachsende Nachfrage nach teuren Verlobungsringen, Manschettenknöpfen und Brautschmuck.

"Die Entwicklung liegt auch am gestiegenen Durchschnittsalter der Heiratswilligen. Ein höheres Alter ist in der Regel mit höherem Einkommen verbunden", sagt Norbert Knorren, Geschäftsführer der Brautmodenfirma Emmerling. Emmerling wurde 1950 gegründet und ist heute der anerkannte Marktführer für Braut- und Abendaccessoires in Deutschland. Das zusätzliche Geld geben die Paare gerne für die Garderobe aus. Brautkleider werden hochwertiger, üppiger und teurer. "Die Braut will heute romantischer und luxuriöser wirken. Damit steigen auch die Ansprüche an Stoffe und Qualität", sagt Knorren.

"Bei uns werden edle Kleider mit Reifrock und Rüschen nachgefragt. Dazu werden auch immer mehr teure Sachen für Bräutigam, Brautjungfern und Accessoires verkauft. Die Ausgaben pro Brautpaar sind gestiegen", sagt Uta-Beatrix Schradieck vom Hamburger Brautsalon. Seit drei Generationen werden in der Kaiser-Wilhelm-Straße Bräute und Hochzeitsgesellschaften eingekleidet. Früher wurde ein Großteil der Kleider für weniger als 300 Euro geliehen. Doch dieser Anteil ist stark gesunken, heute sind Roben für weit mehr als 600 Euro keine Ausnahme mehr.

Ein neuer Trend scheint die Winterhochzeit unterm Tannenbaum zu sein. Inzwischen heirateten 2006 elf Prozent aller Hamburger im Dezember, der Juni ist mit 12,4 Prozent nur noch knapp beliebter. Die Hochzeitsausstatter freut es, da sich nun der Andrang auf das ganze Jahr verteilt. Und viele Firmen haben Angebote wie Pferdeschlitten, Glühweinempfänge und wintertaugliche Brautgarderobe entwickelt. Die Nordseeinsel Pellworm wirbt sogar mit einer Winterhochzeit am Kamin.

Wer allerdings trotz Dezember-Termin nicht frieren will, flieht an wärmere Orte. "Der Trend zu Auslandshochzeiten hält weiter an", so Andrea Probst, Sprecherin der Deutsches Reisebüro GmbH, zu der Dertour und Meiers Weltreisen gehören. Derzeit besonders beliebt ist Kapstadt mit seinen romantischen Weingütern und Stränden mit Blick auf den Tafelberg oder eine Trauung am weißen Sandstrand von Mauritius.

Auch bei klassischen Hochzeiten gehören die Flitterwochen zum wichtigen Bestandteil. Und auch hier geht es luxuriöser und teurer zu. "Besonders nachgefragt sind Mauritius, die Seychellen, die Malediven und die Karibik. Viele starten in sehr romantische Flitterwochen in exotischen Ländern", sagt Probst. Dertour bringt seit 2003 sogar einen Extrakatalog "Hochzeitsreisen ins Paradies" heraus mit fast 60 verschiedenen Hochzeitspaketen in 50 Häusern. Nicht wenige Paare verbinden Hochzeit und Flitterwochen im Ausland, einige heiraten sogar zweimal - in der Heimat und dann noch einmal im exotischen Urlaubsparadies.