Montag, 13. Februar 2012, 19:38

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Wirtschaft

Tchibo: Nur die Beteiligung an Beiersdorf rettet die Bilanz des Konzerns

Gewinneinbruch bei Kaffee und Kleidung

Discounter jagen dem Unternehmen bei Gebrauchsartikeln immer mehr Kunden ab. Neue Strategie geplant.

Hamburg. Über Jahre ist der Hamburger Traditionskonzern Tchibo in seinem Kerngeschäft - Kaffee und Non-Food-Artikel - vom Erfolg verwöhnt gewesen. Doch jetzt gibt es erste Einschnitte. Zwar ist der Gewinn im vergangenen Jahr auf 1,084 Milliarden Euro nahezu verdoppelt worden, doch einen Teil dazu trugen Sondereffekte wie der Verkauf der Rechte an der Marke Davidoff bei. Beim Umsatz konnte das Unternehmen erstmals die Neun-Milliarden-Schwelle überspringen. Doch die guten Zahlen von 2006 beruhen neben den Verkaufserlösen im wesentlichen auf der Mehrheitsbeteiligung Tchibos am Niveahersteller Beiersdorf.

Der Nettoumsatz bei den Kaffee- und Handelsaktivitäten verringerte sich von 4,002 auf 3,912 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern (Ebit) lag 2006 erstmals seit zehn Jahren unter dem vom Vorjahr und ging von 380 auf 143 Millionen Euro zurück. Ohne Sonderaufwendungen etwa im Zusammenhang mit einer verlustreichen Beteiligung in Frankreich hätte es bei 239 Millionen Euro gelegen. "2006 war ein echt enttäuschendes Jahr, aber von einer Krise zu reden, fällt uns nicht im Traum ein", sagte Arno Mahlert, der neue Tchibo-Vorstandsvorsitzende und ehemalige Finanzchef des Unternehmens. "Wir klagen auf hohem Niveau." Mit einer Ebit-Rendite von 3,4 Prozent liege Tchibo im Branchenvergleich immer noch im Mittelfeld.

Mit wöchentlich wechselnden Artikeln des täglichen Gebrauchs wie Bekleidung, Schmuck oder auch Geschirr war Tchibo über Jahre erfolgreich. Doch inzwischen haben auch Mitbewerber wie Lidl oder Aldi das Konzept umgesetzt und dem Hamburger Unternehmen damit Marktanteile abgejagt. Tchibo habe laut Mahlert zudem zu stark auf Wachstum gesetzt und dabei Einbußen bei der Qualität in Kauf genommen. Und beim Wachstum habe man sich manchmal verschätzt. Weil die Artikelgruppen jede Woche in den Geschäften und den Verkaufsstellen von Tchibo im Einzelhandel ausgewechselt werden, blieb das Unternehmen zuletzt auf hohen Restbeständen sitzen.

Mahlert sagte, Tchibo werde sein "erfolgreiches Konzept nicht verändern, sondern ausbauen und stärken". Eine bessere Präsentation der Produkte, die jede Woche als Themenwelt neu auf den Markt kommen, sowie hochwertigere Angebote sollen wieder an den alten Erfolg knüpfen. Anfang Juni zum Beispiel kommen erstmals Kleidungsstücke auf den Markt, die der frühere Adidas-Designer Michael Michalsky entworfen hat. Das bisherige Label TCM, unter dem Tchibo Bekleidung und andere Artikel anbietet, soll künftig in den Hintergrund rücken.

Zudem will das Unternehmen stark im Ausland wachsen, vor allem in Zentral- und Osteuropa, Großbritannien und der Schweiz. Auch das Kaffeegeschäft soll gestärkt werden. Tchibo ist im Kaffeeverkauf laut Mahlert deutscher Marktführer. Allerdings will das Unternehmen, das im Alleinbesitz von Mitgliedern der Hamburger Gründerfamilie Herz ist, den trendigen Coffee-Shops keine Konkurrenz machen. Die Miet- und Personalkosten für diese Läden seien zu hoch. Mahlert setzt auf neue Kaffeespezialitäten, die Tchibo in seinen Filialen anbieten will.

Mahlert betonte, dass Tchibo eine kerngesunde Firma sei. Trotz der milliardenschweren Übernahme von Beiersdorf vor wenigen Jahren sei das Unternehmen schuldenfrei. Die Eigenkapitalquote betrage 54 Prozent. "Wir handeln aus einer Position der Stärke heraus", sagte Mahlert im Hinblick auf die geplante Restrukturierung.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus

Weiterführende Links