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Wirtschaft

Zugverkehr: Derzeit keine Fahrpreiserhöhung geplant - 1,85 Milliarden Reisende 2006 befördert

Deutsche Bahn fährt Rekordgewinn ein

Mehdorn hält Staatskonzern für kapitalmarktreif. Kritiker: "Gewinne auf Kosten der Steuerzahler."

Hamburg. Hartmut Mehdorn (64) drückt aufs Tempo. Nachdem der Bahnchef 2006 Rekorde mit der Deutschen Bahn eingefahren hat, hält er den Staatskonzern für börsenreif. "2008 können, wollen und müssen wir am Zielbahnhof Kapitalmarkt sein", sagte der Konzernvorsitzende gestern. Zuvor präsentierte er stolz das "beste Ergebnis der Geschichte" - mit höchstem Umsatz und Gewinn, den meisten Fahrgästen und größtem Frachtaufkommen. Auch für die Fahrgäste gab es gute Nachrichten: "Preiserhöhungen sind kein Thema für uns."

Mit frischem Kapital will die Bahn ihr geplantes Wachstum international fortsetzen. "Wir sind auf diese Eigenkapitalzufuhr angewiesen. Sie ist geradezu lebensnotwendig", sagte Mehdorn eindringlich. In der Bundesregierung wird derzeit ein Gesetzentwurf für einen Beschluss zur Teilprivatisierung abgestimmt.

Kritiker sehen die Privatisierung dagegen kritisch. Das "Bündnis für Alle", das gegen einen Börsengang der Bahn kämpft, wirft Mehdorn vor, die Gewinne der Bahn auf Kosten der Steuerzahler einzufahren. Das Ziel der Bahnreform, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu holen, sei nicht erreicht worden. "Immer mehr Lkw brettern über Deutschlands Straßen." In Vorbereitung der Teilprivatisierung sei das Schienennetz vernachlässigt worden. Auch beim Service werde immer mehr gespart.

Mehdorn weist die Vorwürfe zurück. Auf einem maroden Netz wäre es wohl kaum möglich gewesen, neue Bestmarken zu erreichen, kontert er. Tatsächlich wirken die Zahlen imposant: 2006 stieg die Zahl der Reisenden - nicht zuletzt durch die Fußball-Weltmeisterschaft - um 3,9 Prozent auf 1,86 Milliarden. Allein von Hamburg aus waren 7,6 Millionen Fahrgäste unterwegs. Der Schienengüterverkehr erhöhte sich um zehn Prozent auf 96,4 Milliarden Tonnenkilometer.

Alle Bereiche fuhren Gewinne ein - am meisten die internationale Spedition Schenker und der vom Staat bestellte Regionalverkehr. Der Umsatz der Bahn kletterte 2006 um fünf Milliarden auf 30,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebit) um 1,1 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro. Die Verschuldung der Bahn von rund 20 Milliarden Euro soll bis 2011 deutlich abgebaut werden. Für 2007 rechnet der Vorstand mit einem Umsatzplus von drei Prozent.

Die Bahn gehörte 2006 mit 6,6 Milliarden Euro Investitionen zu den größten Auftraggebern in Deutschland. In der Hansestadt, in der die Bahn 7700 Mitarbeiter beschäftigt, sollen dieses Jahr 107 Millionen Euro verbaut werden. So werden S-Bahnen verbessert und mehrere Eisenbahnbrücken erneuert. Besondere Bedeutung habe die Elektrifizierung Hamburg-Lübeck-Travemünde, die Erneuerung von Gleisen zwischen Hamburg und Hannover sowie die S-Bahn-Verlängerung von Neugraben nach Stade. Mit 280 Millionen Euro Bauvolumen ist die Flughafen-S-Bahn derzeit eines der größten Bahnprojekte in Hamburg.

Mehdorn bezeichnete jede Fahrt mit der Bahn als "Beitrag zum Klimaschutz". Züge seien drei- bis viermal klimafreundlicher als der Straßen- und Luftverkehr. Seit 1990 habe die Bahn ihren Kohlendioxidausstoß bereits um 25 Prozent gesenkt - bis 2002 sei ein weiteres Minus von 20 Prozent geplant.

 

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