Unternehmenschef Frank Thielert hat seinerseits Klagen gegen einen Ex-Investor und dessen Bank eingereicht.
Hamburg. Die Affäre um den angeblichen Bilanzbetrug beim Hamburger Flugzeugmotorenbauer Thielert nimmt immer skurrilere Züge an. Wie gestern bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Hamburg die Firmenräume des Unternehmens am 27. Februar dieses Jahres durchsuchen lassen. Nach den Worten von Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger wurden dabei zahlreiche Dokumente beschlagnahmt.
Unternehmenssprecher Sebastian Wentzler bestätigte die Durchsuchung gegenüber dem Abendblatt, erklärte aber zugleich: "Wir gehen davon aus, dass die sichergestellten Unterlagen zu unserer Entlastung beitragen werden." Firmenchef und Gründer Frank Thielert habe vielmehr seinerseits über die Vermögensverwaltungsgesellschaft TVV Klagen gegen einen früheren Investor und dessen Bank, die Sparkasse Flensburg, eingereicht. Dies bestätigte auch das zuständige Landgericht Flensburg gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatte Thielert Ende vergangenen Jahres Urkundenfälschung, Bilanzbetrug sowie Prospekt- und Kapitalanlagebetrug vorgeworfen und sich dabei auf eine anonyme Anzeige gegen den Motorenbauer berufen. Thielert habe das Unternehmen durch fiktive Umsätze zu positiv dargestellt, so die Aktionärsschützer.
Firmenchef Frank Thielert hatte diese Vorwürfe stets vehement zurückgewiesen und sich seinerseits auf die Suche nach der anonymen Quelle für die Anzeige begeben. Diese glaubt Thielert nun in dem ehemaligen Investor Marco H. gefunden zu haben. In zwei Klagen der Thielert Vermögensverwaltung wird H. und der Flensburger Sparkasse nun vorgeworfen, 3,7 Millionen Thielert-Aktien aus dem Eigentum der Thielert-Vermögensverwaltung unrechtmäßig verkauft zu haben. Dann sei mit falschen Anschuldigungen versucht worden, den Kurs zu drücken, um die Aktien am Markt billiger zurückzukaufen, zurückzubuchen und damit einen ordentlichen Gewinn einzustreichen. Bisher seien die Aktien nicht wieder im Depot von Frank Thielert. Dabei habe Thielert Marco H. das Paket als Bürgschaft zur Verfügung gestellt, dieser hätte die Aktien aber nicht verkaufen dürfen, sagte Unternehmenssprecher Wentzler.
Der Anwalt von Marco H. wies die Anschuldigungen zurück, ebenso die Sparkasse Flensburg. H. habe weder Thielert-Aktien unrechtmäßig verkauft, noch sei er der Vermögensverwaltung Aktien schuldig, sagte dessen Jurist. Auch der Vorwurf, sein Mandant habe anonym Anzeige gegen Thielert erstattet, sei falsch, betonte der Anwalt. Vielmehr habe H. Anzeige erstattet, weil seiner Meinung nach die Thielert AG mit einem Liefervertrag seine Geschäftsabschlüsse geschönt habe. "Deswegen fordert mein Mandant Schadenersatz über 23 Millionen Euro", sagte der Anwalt.
Damit stehen einer anonymen Strafanzeige und den zwei Klagen der Thielert-Vermögensverwaltung insgesamt drei Klagen von H. gegen Thielert gegenüber. Im Rahmen dieser Vorgänge fanden nicht nur bei der Thielert AG sondern auch bei Marco H. Durchsuchungen statt.












