Ratenkredit: Kritik an Banken
"Die neue Form des Kreditwuchers"
Verbraucherschützer listen 200 Fälle auf, in denen Kunden zusätzlich eine teure Versicherung aufgedrängt wurde.
Hamburg. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen sehen sich führende Anbieter von Ratenkrediten schweren Vorwürfen gegenüber. Nach der Stiftung Warentest hat nun auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) die Geschäftspraktiken von Banken heftig kritisiert.
Anhand einer Untersuchung von rund 200 konkreten Verträgen werfen die Verbraucherschützer den Anbietern vor, Kunden würden zum Abschluss teurer Kreditausfallversicherungen gedrängt, wobei deren Prämien nicht in den genannten Effektivzins eingerechnet würden. Dazu wären die Banken verpflichtet, wenn die Versicherung im Paket mit dem Kredit verkauft wurde. "Diese Praxis hat System," sagte vzbv-Chefin Edda Müller in Berlin. "Die Kopplung von Ratenkrediten und Restschuldversicherungen ist eine neue Form des Kreditwuchers."
Solche Versicherungen sollen das Risiko abdecken, dass der Kreditnehmer wegen Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit oder im Todesfall die Raten nicht mehr bezahlen kann. Finanziert wird die Versicherung nach Angaben der Verbraucherschützer meist über eine Einmalzahlung, die den Kreditbetrag drastisch in die Höhe treibt. So wurde in einem der Fälle auf den Kredit über 30 000 Euro eine Versicherungssumme von 17 315 Euro aufgeschlagen, sagte Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Einschließlich Bearbeitungsgebühren und Zinsen für den Kredit habe der Kunde insgesamt gut 69 000 Euro zurückzahlen müssen, so Gottschalk.
In mehreren der vom vzbv dokumentierten Fällen hat sich durch die Restschuldversicherung der Effektivzins des Kredits von zwölf bis 15 Prozent pro Jahr auf mehr als 30 Prozent mehr als verdoppelt, in der Spitze lag der Zins bei gut 48 Prozent.
Dabei sei 94 Prozent der Bankkunden, deren Verträge die vzbv auswertete, gar kein Kreditangebot ohne Restschuldversicherung unterbreitet worden. 95 Prozent erklärten, man habe ihnen nicht gesagt, dass der Abschluss der Versicherung nicht Voraussetzung der Kreditvergabe sei, hieß es - und das, obwohl 41 Prozent der Kunden bereits eine Sicherheit in Form einer Risikolebensversicherung besaßen. Keiner der Kunden sei darüber aufgeklärt worden, dass der angegebene Effektivzins die Kosten der Restschuldversicherung nicht enthält. Nun müsse die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einschreiten, forderte Edda Müller.
Besonders häufig betrafen die Beispielfälle die Citibank. "Daneben fielen insbesondere die HypoVereinsbank, die frühere Norisbank und die Santander Consumer Bank negativ auf", hieß es von der vzbv.
Bei der Citibank konnte man die Kritik nicht nachvollziehen: "Bei uns ist die Kreditvergabe immer unabhängig von einer Restschuldversicherung", teilte die Bank mit. Entscheide sich ein Kunde dafür, dann werde er zwei Wochen nach Abschluss der Versicherung noch einmal per Brief über deren Freiwilligkeit informiert und er habe dann weitere zwei Wochen Zeit, ohne Kosten von der Versicherung zurückzutreten. Die von der Verbraucherzentrale genannten Fälle seien vor mehreren Jahren abgeschlossen worden. Dem trat Gottschalk entgegen: "Von 118 Fällen, die die Citibank betreffen, waren 17 aus dem Jahr 2006 und der überwiegende Teil der anderen aus den Jahren 2005 und 2004", sagte Gottschalk dem Abendblatt.
Ähnlich wie die Citibank äußerte sich auch die HypoVereinsbank: "Bei uns gehört es zum Beratungsgespräch, den Zweck einer Restschuldversicherung darzustellen, es ist aber die Entscheidung des Kunden, ob er sie will oder nicht."
Nach Darstellung des Bankenfachverbands, in dem die Kredit gebenden Banken organisiert sind, verdreht die Studie die Realität der Kreditvergabe. Offensichtlich habe man nur solche Verträge unter die Lupe genommen, bei denen Verbraucher ihren Kredit nicht zurückzahlen konnten. "Umgekehrt wird ein Schuh draus", sagte Gottschalk dazu: "Unter der hohen Last der aufgeblähten Raten brechen die Kreditnehmer zusammen."
Wie vom vzbv gefordert will die BaFin nun tätig werden: "Wir nehmen die Ergebnisse der Untersuchung ernst und werden den Vorwürfen nachgehen."



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