Verordnung: Wechsel jetzt vorgeschrieben - Nachfrage stark gestiegen
"Winterreifen werden Mangelware"
Bereits 1,5 Millionen Pneus in diesem Jahr mehr hergestellt. Wer zu spät in die Werkstatt kommt, riskiert Wartezeiten von drei Wochen.
Hamburg. Der Wetterbericht warnt für die nächsten Tage vor den ersten frostigen Nächten. Für Deutschlands Autofahrer wird es deshalb höchste Zeit, die Sommer- gegen Winterreifen zu wechseln. Wer dies vergisst, fährt nicht nur gefährlich, sondern riskiert nun auch eine Geldbuße. Denn eine Novelle der Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass das Auto den Wetterverhältnissen gemäß ausgerüstet sein muss. Wer also bei Matsch oder Schnee mit Sommereifen fährt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 40 Euro. Beim ADAC steht das Telefon deshalb nicht mehr still. "Bei uns ist der Ansturm groß, 80 Prozent aller Anrufer haben Fragen zu Winterreifen", sagt Carsten Willms vom ADAC Hansa. Und auch bei den Händlern und Werkstätten herrscht Kundenansturm. Nicht selten sind bestimmte Reifen sogar schon ausverkauft.
"Jetzt tauschen viele, die früher nur Sommerreifen gekauft haben", sagt Bernd Seidensticker, Pkw-Manager beim Hamburger Reifenhändler Helm. "Die Nachfrage ist viel höher als im vergangenen Jahr, wir haben jetzt schon 60 Prozent unserer eingelagerten Reifen verkauft." Für Sondergrößen wie zum Beispiel Winterpneus für Transporter und Sprinter gebe es bereits Lieferprobleme. Bis zu zehn Tage Wartezeit seien notwendig.
"Winterreifen werden Mangelware. Schon jetzt haben viele Händler Probleme, Reifen zu bekommen", warnt Peter Hülzer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV). Es seien zwar rund 1,5 Millionen Winterpneus mehr produziert worden, doch das reiche bei dem Andrang wegen der Mehrwertsteuererhöhung und der neuen Winterreifenpflicht nicht aus. Insgesamt rechnet der Verband für 2006 mit einem Gesamtabsatz von 48 Millionen Pneus. Ein Plus, obwohl weniger Sommerreifen verkauft wurden. "Wir könnten aber mehr verkaufen, wenn wir mehr hätten", so Hülzer.
"Besonders kleine Marken wie Ihle oder Maloya, die in Tests gut abgeschnitten haben, können knapp werden", sagt Verkehrsexperte Willms. Auch Goodyear-Marketingleiter Christian Fischer rechnet mit einer extrem hohen Nachfrage: "Besonders bei unseren Testsiegern wird es schnell zu Lieferengpässen kommen. Wir gehen von insgesamt 15 Prozent mehr Absatz aus." Konkurrent Continental verzeichnet ebenfalls einen deutlichen Nachfrageanstieg. "Zehn Prozent mehr Autofahrer lassen ihre Reifen umtauschen. Bestimmte Sondergrößen wie 18 oder 19 Zoll werden teilweise schon knapp", sagt Firmensprecher Klaus Engelhart. Auch bei der Werkstattkette ATU plant man zehn bis 15 Prozent mehr Nachfrage ein. "Gerade Hamburg hat sich zu einer Hochburg der Winterreifen entwickelt", sagt ATU-Manager Jochen Haag. "Die Winterreifenknappheit wird bei allen kommen." Zum Glück habe ATU ein Zentrallager mit Vorräten.
Helm und Pit-Stop haben bis gestern mit Sonderpreisen gelockt. "Der Andrang war groß", sagt Ronald Kern vom Pit-Stop-Kundenservice. "Noch schlimmer wird es, sollte in Hamburg der erste Schnee fallen." Wenn es kalt wird, kann es nach Experteneinschätzung bis zu drei Wochen dauern, bis der Kunde einen Werkstatttermin bekommt.





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