ZWEITMARKT: WIE UM ANTEILE GEFEILSCHT WIRD
Flohmarkt für gebrauchte Fonds
Manche Eigentümer geschlossener Fonds wollen ihre sperrige Beteiligung so schnell wie möglich loswerden.
Wenn es um geschlossene Fonds geht, denken viele Finanzprofis an einen beliebten Vergleich: Es ist leichter, einen Ehevertrag aufzulösen als einen geschlossenen Fonds. Manche Anleger könnten sich aber tatsächlich so fühlen. Denn im Grunde haben sie eine Unternehmensbeteiligung erworben, die sie bis zum Ende einer festen Laufzeit halten müssen - es sei denn, sie verzichten auf viel Rendite. Auch bei Erbschaften, Scheidungen und persönlichen Insolvenzen gibt es häufig Probleme.
Weil aber immer mehr Anleger teils von der laufenden Ausschüttung ihrer Beteiligung enttäuscht sind, teils auch wieder ans Bargeld wollen, hat sich ein reger Zweitmarkt für gebrauchte Fonds entwickelt. Mittlerweile gibt es nicht nur Fonds-Flohmärkte von Initiatoren selbst, sondern auch viele professionelle Börsen und Maklerplattformen.
Die Fondsbörse verdient fünf Prozent Provision
Komplett offen ist die Handelsplattform der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG, früher als DAI-Zweitmarkt bekannt. Hier können sich Verkäufer und Interessenten finden und einigen. Häufig jedoch weichen die Preisvorstellungen enorm voneinander ab, etwa beim Fonds "DG Anlage 40, Cinestar Dortmund". Ein Käufer möchte 15,5 Prozent zahlen, der Verkäufer verlangt aber 90 Prozent seines investierten Kapitals. Unrealistisch, denn die jüngsten Anteile wurden zum Kurs von 20 gehandelt. "Die Wahrheit liegt häufig in der Mitte, aber bei der Diskrepanz werden sich die Partner wohl nicht einig", meint Vorstand Alex Gadeberg.
Trennen Käufer und Verkäufer nur wenige Prozentpunkte, versuchen die Makler zu vermitteln. "Wir stellen keine Kurse, weisen aber darauf hin, was derzeit am Markt üblich ist", erklärt Gadeberg. Kommt das Geschäft zustande, verdient die Fondsbörse fünf Prozent des Kaufpreises, eine übliche Provision.
Er rechnet zum Jahresende mit einem Umsatz von knapp 70 Millionen Euro, nach 42 Millionen Euro 2005. Und das, obwohl mit der Deutsche Zweitmarkt AG vor einem Monat ein starker Konkurrent den Markt betrat. Der Neuling hat sich auf gebrauchte Schiffsbeteiligungen spezialisiert und gibt Verkäufern zwei Möglichkeiten, die Fondsanteile anzubieten. Im Höchstbietverfahren geben Interessenten - wie bei Ebay - ihre Gebote ab und hoffen auf den Zuschlag. "Auf solch ein Biet-Duell legen die meisten Verkäufer jedoch keinen Wert", sagt Vorstand Nikolas Dierkes. "Der typische Anteilsinhaber ist zwischen 50 und 70 Jahre alt und will seinen Fonds lieber über einen Makler veräußern."
Begehrt sind vor allem gebrauchte Schiffe. Dagegen bleiben die Eigentümer von Immobilienfonds oft auf ihren Anteilen sitzen.



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