10 000 Euro mit falschen Etiketten ergaunert - eine osteuropäische Bande schlug in Schleswig-Holstein zu. Kommen andere Gauner jetzt nach Hamburg?
Hamburg. In Norddeutschland geht die Angst vor Pfandbetrügern um. Nachdem in Schleswig-Holstein eine kriminelle Bande aufflog, die mit gefälschten Pfandetiketten viel Geld ergaunerte, verstärken Hamburgs Einzelhändler nun ihre Sicherheitsvorkehrungen. Das ergab eine Abendblatt-Umfrage. "Bei größeren Summen auf den Pfandautomaten-Quittungen fragen meine Mitarbeiter beim Kunden jetzt genau nach. Und ich habe persönlich ein Auge auf den Automaten", sagt Richard Peper, Inhaber des Frischemarktes Peper in Bahrenfeld. Bernd Enge, Prokurist zweier Edeka-Märkte in Eimsbüttel, schafft sich jetzt Automaten mit neuesten Sicherheitsstandards an. Denn die Zählung per Hand ist ihm inzwischen zu unsicher. Ein Händler auf St. Pauli, der namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt, dass seine Angestellten die Pfandautomaten jetzt "ganz genau im Auge behalten".
In Schleswig-Holstein flog erst kürzlich eine Bande auf, die in Litauen 150 000 Plastikflaschen herstellen ließ und mit einem gefälschten Barcode ausgezeichnet hatte, um die Automaten auszutricksen. Mehr als 30 000 Euro wollten sie so ergaunern, etwa 10 000 Euro hatten sie bis zu ihrer Ergreifung bereits kassiert. "Das lohnt sich, denn die Flaschen können für unter zehn Cent in Osteuropa hergestellt werden und bringen hier 25 Cent ein", sagt Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, dem Abendblatt. Hamburgs Händler bereiten sich nun auf weitere Betrugsfälle vor. "Wir befürchten, dass es eine hohe Dunkelziffer an unentdeckten kleinen Pfandbetrügereien gibt", sagt Pellengahr, "Wir haben von Anfang an davor gewarnt, dass ein hohes Pfand von 25 Cent Betrüger anlockt." Auch Edeka-Prokurist Enge glaubt nicht an einen Einzelfall: "Ich bin mir sicher, dass die Fälscher auch nach Hamburg kommen. Das ist bestimmt kein lokales Problem, das nur auf Schleswig-Holstein begrenzt ist."
Die Deutsche Pfandsysteme GmbH (DPG) hat das Leergut zwar mit einer Sicherheitskennzeichnung ausgestattet, um Betrügereien vorzubeugen. Doch obwohl das System ab dem 1. Oktober greifen sollte, sind viele Automaten noch nicht in der Lage, die Kennzeichnung zu lesen und gefälschte Dosen oder Flaschen auszuwerfen. Jetzt wollen HDE und DPG kurzfristig die Automaten mit neuer Sicherheitstechnik nachrüsten, um Gaunereien zu verhindern. Die Einzelhändler wollen darauf allein nicht vertrauen. "Es ist immer jemand schlauer als ein Automat", sagt Kaufmann Peper. Zudem schütze die neue Technik nur für kurze Zeit. "Die Betrüger lernen schnell. Die Sicherheitstechnik muss also ständig aktualisiert werden. Das ist eine Daueraufgabe", sagt Pellengahr.
Die Kosten für die Automaten treffen besonders die kleinen Einzelhändler. Und sie sind ohnehin betroffen, wenn sie auf den gefälschten Flaschen sitzenbleiben, für die sie bereits Pfand ausgezahlt haben. "Für den Einzelnen können das schon erhebliche Summen sein", so Pellengahr. Dabei habe das Pfandsystem die Unternehmen bereits 1,5 Milliarden Euro gekostet. An laufenden Kosten kommen laut HDE jedes Jahr 500 Millionen Euro hinzu.
Die Einzelhändler befürchten zudem, dass sich die Betrüger nicht nur als Etikettenfälscher betätigen. Denn die vom Kunden in Supermärkten abgegebenen Flaschen haben einen enormen Wert und werden in Säcken gelagert, bis sie eine Entsorgungsfirma schließlich abholt. "Ich habe gehört, dass Leute mit gefälschten Ausweisen herumfahren und sich als Entsorger ausgeben", sagt Peper. Sie würden Säcke mit Pfandgut einsammeln und wenn der eigentliche Abholer dann komme, seien keine Flaschen mehr da. "Ich bin mir sicher, dass diese Betrugsform zunehmen wird." Denn für das Pfandsystem gelte vor allem eines: "Ist ein Loch gekittet, öffnen sich gleich wieder mehrere neue", klagt Peper.












