"Wichtig war, den Standort zu erhalten"
ABENDBLATT: Herr Fränkl, warum hat HanseNet den Zuschlag für das AOL-Zugangsgeschäft bekommen?
CHARLES FRÄNKL: Die Partnerschaft beim Internet-Portal war uns sehr wichtig. Sie ergänzt sich gut mit der netzbasierenden Strategie von HanseNet. Damit erreichen wir eine relevante Größe und haben die Chance, im nächsten Jahr im Portalbereich unter die Top drei aufzurücken.
ABENDBLATT: Mit United Internet hätten Sie mehr Kunden erreicht.
FRÄNKL: Wir hatten auch sehr gute Gespräche mit anderen Firmen, sind aber einem Zusammenschluss nie so nahe gekommen, weil diese ihre gute Position im Portalmarkt nicht aufgeben wollten. Wichtig war uns zudem, dass beide Geschäftsbereiche von AOL, Zugangs- und Inhaltegeschäft, in Hamburg erhalten bleiben.
ABENDBLATT: Wie lange haben Sie verhandelt?
FRÄNKL: Rund zweieinhalb Monate.
ABENDBLATT: Was bringt der Deal HanseNet, Herr Rösch?
HARALD RÖSCH: Wir sind in einem Markt, der sich konsolidieren wird, auf einen Schlag gleichauf mit der Nummer zwei. Durch diese Gelegenheit haben wir eine Dimension bekommen, die uns erlauben sollte, dem Marktdruck standzuhalten.
ABENDBLATT: Welche Rolle spielt zukünftig Ihr Internet-Portal?
RÖSCH: Wir haben die letzten drei Jahre ohne den Content-Bereich gearbeitet, weil wir uns auf den Ausbau des Netzes konzentriert haben. Jetzt haben wir die Gelegenheit, diese schwächere Seite auszugleichen. Künftig bieten wir den Alice-Kunden Internet, Sprache, Fernsehen und Online-Angebote. Zudem wird es Services geben wie das Einsehen der Rechnung und die Hinzubuchung von Tarifoptionen.
ABENDBLATT: Wie wird die Website aussehen?
RÖSCH: Sie wird dem AOL-Portal ähneln, wobei beide Marken, Alice und AOL, vertreten sein werden.
ABENDBLATT: Durch die Übernahme hat HanseNet Kunden, die über die Telekom und andere Netzbetreiber laufen. Was passiert mit denen?
RÖSCH: Es bleibt zunächst alles beim Alten. Wir werden natürlich versuchen, sie von unseren Alice-Angeboten zu überzeugen. Ziel ist es, mit mehr Kunden den Netzausbau in Deutschland weiter voranzutreiben.
ABENDBLATT: An Ihrem grundlegenden Geschäftsmodell mit eigenen Netz ändert sich also nichts?
RÖSCH: Nein.
ABENDBLATT: Wie wird Ihre Zukunft aussehen, Herr Fränkl?
FRÄNKL: Ich werde Telecom Italia bei der Integration der Access-Sparte unterstützen. Danach wird sich sicherlich eine neue Aufgabe finden.



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