ESSEN. Ein halbes Jahr nach dem Untreueskandal bei Deutschlands größtem Geldtransportunternehmen Heros droht der Branche ein neues Debakel. Die Geschäftsführung der Essener Sicherheitsfirma Arnolds steht im Verdacht, 16,5 Millionen Euro veruntreut zu haben. Gegen die drei Geschäftsführer des Unternehmens erging gestern Haftbefehl, wie die Polizei mitteilte.

Zwei geschäftsführende Gesellschafter waren am Dienstag freiwillig bei der Essener Staatsanwaltschaft erschienen und hatten eingeräumt, dass seit 2001 ein Fehlbetrag von 16,5 Millionen Euro entstanden sei. Sie waren damit einer bevorstehenden Durchsuchung der Geschäftsräume zuvorgekommen. Die Staatsanwälte hatten seit Juni wegen Untreueverdachts gegen die Manager ermittelt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Kassenböhmer, sagte, es gebe noch keine Hinweise, dass sich die Verdächtigen persönlich bereichert hätten. Auch sei noch unklar, ob Kunden geschädigt worden seien.

"Das ist für die Branche ein großer Vertrauensverlust", betonte dennoch der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste, Harald Olschok. Der Preisverfall in der Branche habe zuletzt bei vielen Firmen zu roten Zahlen geführt. Daher sei denkbar, dass entstandene Lücken mit den Geldern gestopft worden seien, sagte der Branchenkenner, der auch nicht davon ausgeht, "dass da ein besonders aufwendiger Lebensstil gepflegt wurde".

Die Gewerkschaft Ver.di fürchtet unterdessen um die Zukunft der mehr als 2000 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen. Die Arnolds-Kunden Aldi, Lidl und Rewe hätten die Zusammenarbeit mit dem Essener Betrieb bereits eingestellt, sagte Ver.di-Gewerkschaftssekretär Ralf Hübsch.AP